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erglänzen, wenn die Klänge der Salinenkapelle in vielfachem Echv mächtig ertönen und
aus dem Dunkel einer Salzkammer sich im Seilkorbe ein Knappenpaar zur „Höllenfahrt"
langsam emporhebt, bietet sich dem Zuschauer ein wahrhaft märchenhaftes Bild dar,
welches seinesgleichen wohl nirgends in der Welt findet. Wieliczka und Bochnia produciren
ausschließlich Steinsalz, das heißt Speisesalz, welches früher in Balvanen und großen
Formatsteinen, nunmehr aber in formlosen Bruchstücken oder in gemahlenem Zustande in
Säcken und Fässern in den Handel gesetzt wird, und außerdem Fabrikssalz, welches
weniger rein, bis etwa 5 Percent Thon- und Gypsbeimengung enthält und dessen
Verwendung in allerlei chemischen Fabriken, vor allem in den Soda- und Salzsäurefabriken
und Metallhütten in fortwährender Steigerung begriffen ist. Die beiden Salzbergwerke
beschäftigen jährlich gegen 1200 Arbeiter (im Jahre 1895: 1197), also beinahe doppelt so
viel, als die neun ostgalizischen Sudwerke, deren Arbeiterzahl selten 650 (im Jahre 1895:
673) übersteigti Diese ostgalizischen Sudwerke produciren aus derin ausgedehnten künstlichen
Langwerken erzeugten und concentrirten Soole (im Jahre 1895: 1,612.258 Hektoliter)
beinahe ausschließlich Speisesalz, das in abgestutzten Kegeln im Gewichte von 1 Kilogramm
(sogenannte Hurmanen oder Topki) abgesetzt.wird.
Eine dieser östlichen Salinen: Kalusz hat eine ganz besondere Bedeutung durch die
Kalisalz-, das heißt Kaimt- und Sylvinlager, die bereits im Jahre, 1853 entdeckt, in den
Jahren 1868 bis 1874 abgebaut wurden und die Grundlage einer in großem Stile daselbst
angelegten chemischen Fabrik bilden sollten. Leider ging in dem unglücklichen Börsenjahre
1873 auch diese große Kali-Actiengesellschaft zu Grunde und erst im Jahre 1887 wurde
auf Andrängen der landwirthschaftlichen Kreise Galiziens der Abbau dieser für die
Landwirthschaft so nützlichen Kainitlager neuerdings vom Ärar ausgenommen. In viel
zu geringem Maße werden jedoch gegenwärtig die Kalisalze gewonnen (im Jahre 1895
kaum 29.000 Metercentner im Verkaufswerthe von 29.000 Gulden) und es ist sehr zu
beklagen, daß dieser Kalisalzbergbau, welcher im Stande wäre, Kalusz zum Centrum eines
chemischen Großbetriebes zu machen, durch mißliche Umstände und infolge eines zu
geringen Unternehmungsgeistes zu keiner günstigen Entfaltung gelangen kann.
Viel jünger als der galizische Salzbergbau, aber gegenwärtig wohl nicht weniger
wichtig ist die Erdölindustrie Galiziens, welche, kaum seit 40 oder 50 Jahren bestehend,
zu immer größerem Aufschwünge gelangt und gewiß bestimmt ist, in der österreichisch
ungarischen Monarchie zukünftig noch eine große Rolle zu spieleu. Das hie und da an
den Ufern der Karpathenbäche sowohl im Hochgebirge, wie auch am Nordfuße desselben
hauptsächlich nach großen Regengüssen hervvrtretende, schwarze vder grünlich-braune
Erdöl war schon im XVIII. Jahrhundert bei den dortigen Einwohnern unter dem Namen
,roxa" wohl bekannt und als Wagenschmiere benutzt; die Entdeckung seines eigentlichen