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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

technischen Werthes gelang aber erst in den Fünfziger-Jahren. Als hochverdiente Gründer 
dieser neuen Erdölindustrie dars man den ursprünglich als Apotheker thätigen Ignaz 
Lukasiewicz und die Großgrundbesitzer Titus Ritter v. Trzecieski und A. v. Klobassa 
nennen, welche dem zuerst in Boryslaw bei Drohobycz und in Böbrka bei Krosnv 
entdeckten Erdöle sofort große Bedeutung zuerkannten und versuchten, dasselbe zu reinigen, 
zu destilliren und zum Brennen in den Lampen zu verwenden. Nachdem die ersten 
Versuche gut ausgefallen waren und bereits im Jahre 1859 der Nordbahnhof in Wien 
mit galizischer Naphtha beleuchtet wurde, begann infolge des von Nordamerika gegebenen 
mächtigen Impulses die neue Ära der galizischen Petroleumindustrie, welche jedoch in 
Ermangelung eines geregelten Rechtszustandes — das Erdöl wurde nach mehreren sich 
widersprechenden Rechtserkenntnissen erst im Jahre 1862 auf Wunsch des galizischen 
Landtages mittelst eines kaiserlichen Patentes als Zugehör des Grundeigenthums erklärt 
— zuerst nur langsam diesen großen Schatz des Karpathengebirges zu erschließen versuchte. 
Mit gegrabenen, wenig tiefen, schlecht ventilirbaren und sehr kostspieligen Schächten 
verfolgte man damals die an der Oberfläche erscheinenden Erdölspuren und in Kübeln 
oder mittelst einfacher Pumpen brachte man das aus den Poren und Klüften des Gesteines 
hervorquillende Erdöl zu Tage. Es war damals, zwischen den Sechziger- und Achtziger- 
Jahren, ein schweres und gewagtes Unternehmen, nach Naphtha zu graben, da man nur in 
verhältnißmäßig geringe Tiefe — 100 bis 200 Meter - zu dringen verstand und weil 
der Bergbau infolge der tödtlichen Kohlenwasserstoffgase mit fortwährender Lebensgefahr 
verbunden war. Nur der damalige hohe Preis des Rohöles (z. B. im Jahre 1877 
9 93 Gulden per 1 Metercentner) ermöglichte es, daß diese Industrie sich allmälig hob 
und im Jahre 1877 die ziemlich bedeutende Jahresproduction von circa 121.000 Meter- 
ccntner (in ganz Galizien) erreicht wurde. Erst die allgemeine Anwendung der Bohrmethode, 
und zwar des aus Nordamerika eingeführten und den galizischen Schichtenverhältnissen 
angepaßten sogenannten canadischen Bohrsystems, ermöglichte, in immer größere Teufen 
viel schneller und mit verhältnißmäßig geringeren Kosten zu dringen, wie auch das Gruben- 
wasser abzuschtießen; heutzutage sind Bohrschächte von 500 bis 600 Meter Tiefe oder 
auch darüber in den galizischen Ölfeldern eine nicht seltene Erscheinung. 
Längs der ganzen mittel- und ostkarpathischen Gebirgskette, etwa von Klxczany bei 
Neu-Sandec bis an die bukvwinische Landesgrenze im Osten, tritt das schwarze, grünlich 
braune, seltener dunkel- vder hellgelbe Erdöl an sehr vielen Punkten aus den Schichten 
der Karpathensandsteine, hauptsächlich in der Nähe der sogenannten Menilitschiefer - 
eines Komplexes von schwarzen blätterigen Hornstein und Fischreste führenden bituminösen 
Mergelschiesern - als ein Zersetzungsproduct der Fischschwärme des alttertiären Meeres 
aus. Vom salzigen Wasser emporgehoben oder durch Erdvlgase hinaufgedrückt, wird
	        
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