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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

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In der windischen Gegend zwischen Klagenfurt und Völkermarkt, namentlich um 
Tainach, ziehen nach der Auferstehung die Bauernbursche mit brennenden Fackeln unter 
Pöllerschießen von Dorf zu Dorf und bringen durch vielfältige Schwenkungen recht 
hübsche Lichteffecte hervor. Da die bezeichnte Ebene mehr als hundert Ortschaften zählt und 
jeder Ort einen Fackelzug entsendet, kann man sich von der Wirkung des Schauspiels 
kaum einen rechten Begriff machen. 
Bei der am Char- oder Ostersamstag Nachmittags stattfindenden Weihe der Oster 
speisen bringen in Alpengegenden die Dirnen oft Riesenbutterkugeln, hübsch geziert, mit 
einem Osterlämmchen obenauf, zur Weihe. Von dem „G'weichten" müssen die Parteien 
dem Meßner eine Wurst und dem Ministrantenbuben zwei roth gefärbte Eier überlassen. 
Im Gailthal spielt sich bei der Fleischweihe eine muntere Scene ab. Kaum ist der Segen 
gesprochen, so fallen die Weiber und „Gitschen" über die mit weißen Linnen bedeckten 
Körbe her und eilen damit nach Hause; jede will die erste sein, „die zuerst kommt", heißt 
es, „ist auch bei der Arbeit die erste". 
Zu Ostern bringen die Mädchen im oberen Rosenthal ihrem Liebsten einen Reindling 
und zwei rothe Eier, im unteren Thal geben sie am Ostermontag dem Liebsten ein Scherzl 
vom Reindling als ein Zeichen der Zuneigung; derjenige Bursche, der am meisten 
Scherzln zusammenbringt, gilt als der Dorfadonis. Am Ostermontag finden an manchen 
Orten des Glanthals Darstellungen des Passionsspieles statt. 
Der Slovene begeht das Osterfest mit besonderer Festlichkeit. Die Bräuche in der 
Charwoche sind jenen der Deutschen gleich. Das Ostergebäck nennt sich Kolac und besteht 
aus Weizenmehl mit Zimmt und Zucker. Der zweite Freitag nach Ostern wird in Kärnten 
„Dreinaglfreitag" genannt. Er sollte eigentlich „Viernaglfreitag" heißen, da er seinen 
Namen von der Auffindung des vierten Nagels des Kreuzes Christi durch Karl IV. 
erhalten hat. An diesem Tage findet an manchen Orten eine förmliche Völkerwanderung 
von Wallfahrern statt. 
Im Jaunthal sind die Kirchen zum heiligen Grabe ob Einersdorf, am Diex bei 
Völkermarkt, am Lisnaberge nächst Rüden, im Mißlingthal jene am Ursulaberge der 
Zielpunkt zahlreicher Kirchfahrten. Eine Hauptspecialität aller Wallfahrer dieses Tages 
sind jedoch die Vierberger, deren schon Megiser in seiner Chronik Kärntens vom 
Jahre 1612 gedenkt. Da versammeln sich die Wallfahrer aus der Gegend um Klagenfurt, 
St. Veit und dem Krapfelde um Mitternacht vom Donnerstag auf den Dreinaglfreitag in 
der Kirche am Magdalenenberg, wo ein Hochamt abgehalten wird. Kaum ist dasselbe zu 
Ende, so eilen unter Kienbuchtelbeleuchtung, die Hüte mit Berglaub bekränzt, die Wall 
fahrer den Berg hinab über Wiesen und Felder, um bis zum Grußläuten Morgens in 
Pörtschach am Ulrichsberg zur zweiten Messe einzutreffen. Nach derselben geht der Pilgerzug
	        
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