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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

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Typus der slovenischen Volkslieder. Es ist entweder Kirchenlied und Legende, von denen 
M. Majär im Jahre 1843 eine Sammlung herausgegeben hat, oder episch-historischer 
Sang, an die Türkenzeiten sich anlehnend, oder lyrisches, das häusliche Leben und Treiben 
enthaltendes Lied. Bemerkt muß werden, daß der Verfall der älteren Volkspoesie sich hier 
noch deutlicher offenbart als in Kram. Denn was jenseits der Karavanken noch voll und 
kräftig blühte, ist in Kärnten nur bruchstückweise erhalten oder in Prosa aufgelöst. So ist 
die Heimkehr der Miklova Zala einst in einem Liede dargestellt gewesen, jetzt ist nur 
mehr die prosaische Erzählung zu finden; ebenso der Todtenritt. Besonders gut erhalten 
sind die Lindenlieder. 
Einen bemerkenswerthen Bestandtheil des alten kärntnischen Volksliedes bildet das 
Gebräuchelied, das sich noch aus dem heidnischen Festkalender, freilich in christlicher 
Umdeutung erhalten hat. Die beiden Sonnenwenden und der Georgstag als Beginn 
des Frühlings werden durch das Gebräuchelied markirt: daher die Weihnachtslieder 
(lloioärneo), das Georgslied und die um den Kres (das Sonnwendfeuer) gesungenen 
Lieder. Der Inhalt der letzteren ist die Heimführung eines um das Kresfeuer tanzenden 
Waisenmädchens (Lrosnieu) durch den Königssohn aus dem neunten Lande. 
Fragen wir nach der Verbreitung des Volksliedes, so ergibt sich eine merkwürdige 
Erscheinung. Die Gailthaler, der schwächste Volkssplitter, die aber trotzdem ihre Gebräuche 
und Trachten bis auf den heutigen Tag am ursprünglichsten bewahrt haben, können sich 
auch der Reichhaltigkeit ihres Liederschatzes rühmen; ihre Gesänge tragen das Gepräge 
der Originalität an sich: die alte Ballade und Romanze hat ihre Heimat im unteren 
Gailthal. Diesem zunächst kommt das sangesfrohe Rosenthal, die Heimat so mancher 
Naturdichter und hellklingender Kehlen: der Rosenthaler ist ein geborener Sänger, sagt 
das Sprichwort von ihm. Am wenigsten Lieder hat das Jaunthal aufzuweisen, obwohl 
dort das Slovettenthum in geschloffener Masse sitzt, an 50.000 Seelen zählt und noch am 
wenigsten vom deutschen Einfluß durchsetzt ist. 
Nach dem Verstummen des historischen Sanges hat sich unter denselben Bedingungen 
wie bei den deutschen Landesnachbarn eine neue Art des Volksliedes entwickelt, der 
Vierzeiler, unter dem Namen Kärntnerlied bereits weltbekannt. Die Umgebung 
Klagenfurts hat für die Slovenen als Entstehungs- und Mittelpunkt zu gelten, von wo 
aus sich das „Schnadahüpfel" in die benachbarten Gegenden verbreitete. Was zur 
Charakterisirung des deutschen Vierzeilers gesagt wird, gilt auch von dessen slovenischem 
Zwillingsbruder. Auch dieser ist ein Erzeugniß des Augenblicks, der Tanzplatz seine 
gewöhnliche Geburtsstätte, das Liebesleben der vorherrschende Inhalt. Was das alte Lied 
in episch ausführlicher Weise malt und schildert, das ist im Schnadahüpfel in den knappen 
Raum von mir vier Zeilen mit epigrannnätischer Kurze znsämmengedrängt. Ein solches
	        
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