MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

184 
sonst in einer Kirche des Landes angebracht sind. Breite und hohe Stufenanlagen führen 
zu den zwei spitzbogigen Portalen, von denen das südliche reicher mit Giebel- und Fialen 
krönung geschmückt ist. 
In der Nähe des historischen Bodens Virunums erhebt sich auf einem mäßigen 
Hügel die berühmte Wallfahrtskirche Maria-Saal, welche die Geschichte, noch mehr 
die geschäftige Sage gleichsam zum Nationalheiligthum des Landes gemacht hat. Über 
dem Grabe des Salzburger Wanderbischofs Modestus schaut der zweithürmige dunkel 
gefärbte Bau weit hinaus in die liebliche Landschaft. Der Platz war einst ringsum mit 
Mauern, Wallgräben, Zugbrücken und Thurinen befestigt und gewährte zur Zeit gefahr 
voller Türkeueinfälle hinlängliche Sicherheit. Die Kirche bildet einen langgestreckten 
Hallenbau mit vortretendem Altarraum, welcher, wie die zwei Seitenchöre, im Achteck 
geschlossen ist; ein schmaler Querschiffraum schiebt sich originell vor den Apsiden durch das 
Langhaus, ohne jedoch über die Flucht der Seitenschiffe vorzutreten und von geringerer 
Breite als der des Mittelschiffs. Der südliche quadratische Westthurm erscheint mit seinem 
Jnnenraum gewissermaßen in die Kirche einbezogen, weil seine nordöstliche Ecke nur auf 
einem mächtigen Pfeiler aufsteht. Zwischen den Thürmen und bis zu den ersten Gewölbe 
jochen dehnt sich der Orgelchor aus. Dem südlichen Seitenschiff sind eine große Sacristei, 
zwei Kapellenräume und eine Thorvorhalle mit angelehnter Rundtreppe vorgebaut. Über 
diesen Zubauten sind noch Emporen angebracht, so daß dieser Außentheil der Kirche 
einen etwas profanen Charakter erhält. Das Mittelschiff hat die bedeutende Höhe von 
18-97 Meter und öffnet sich in fünf spitzbogigen gefällig gegliederten Arkaden gegen die 
bedeutend niedrigeren und halb so breiten Seitenschiffe. Außen geben der schön gebildete 
Chorschluß, der warme Ton der Quadern in Verbindung mit den buntgemalten Friesen, 
die vielen eingemauerten Römersteine und christlichen Grabdenkmäler mit der hübschen 
Gruppirung der umliegenden Bauten ein interessantes Bild. Das Innere der altehr 
würdigen Kirche macht in seiner Einheitlichkeit einen fast noch tieferen Eindruck auf den 
Beschauer, wozu wohl manche Einzelheiten uralter Einrichtungsstücke und eine etwas 
spärliche Beleuchtung der ausgedehnten Räume nicht wenig beitragen mögen. 
Der magnetische Anziehungspunkt ist das Grabmal des heiligen Modestus, das der 
Sage nach immer mehr dem Kreuzaltar sich uähert; wenn es dort angelangt sein wird, 
bricht der jüngste Tag an. Das Denkmal besteht aus einer starken Steinplatte, die auf 
sechs kleinen Säulen über einem einfachen Sockel ruht, und stammt seinen Formen nach 
wie der Kern der Westthürme aus der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts. Über die 
Bauzeit der Kirche fehlen chronologische Daten. Nach den jüngst im Chore bloßgelegten 
und restaurirten Wandmalereien mit ihrer Zahlenangabe 1435 muß die Ostpartie im 
Anfang des XV. Jahrhunderts vollendet gewesen sein. Auf dem Friedhofe steht neben
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.