Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

220

großen  Theile  im  Lande  ihrer  Fundorte  angefertigt  worden  sind,  zumal  die  Auffindung
von  unfertigen  Gegenständen,  rohen  Bronzestücken  und  Schmelztiegeln  die  Übung  der
Bronzetechnik  wenigstens  im  alten  Virunum  außer  Zweifel  setzen.  Gewiß  entstammen
auch  die  vielen  den  Ruinenstätten  des  Magdalenaberges  und  Zollfeldes  entnommenen
Thongeräthe  inländischen  Werkstätten,  um  so  mehr,  als  im  Lande  selbst  sowohl  für
graues  als  rothes  Thongeschirr  der  vortrefflichste  Rohstoff  sich  vorfand.  Auch  hier  zeigt
die  Eleganz  der  Form,  der  oft  vorzügliche  Bilderschmuck  und  die  äußerst  sorgfältige
Behandlung  den  Fortschritt  des  Töpfers  zum  Kunsthandwerker,  sowie  der  malerische
Schmuck  der  Wände  in  den  zierlichsten  pompejanischen  Motiven  und  das  eine  oder
andere  Hausgeräth  ebensosehr  Zeugniß  davon  geben,  daß  auch  andere  Gewerbe  in  ihrer
Entwicklung  nicht  zurückgeblieben  waren.
So  tiefe  Wurzeln  aber  auch  die  Gewerbe  und  Künste  des  Friedens  während  der
Römerherrschaft  geschlagen,  so  verschwindet  ihre  Übung  doch  gänzlich  aus  unserem
Heimatlande,  als  die  Stürme  der  Völkerwanderung  über  dasselbe  hinbrausten.  Nach
Jahrhunderten  der  Barbarei  brachten  unseren  Gauen  erst  das  Christenthum  und  mit  ihm
baierische  und  fränkische  Herrschaft  vom  Ausgang  des  VlII.  Jahrhunderts  an  allmälig
neue  Gesittung  und  damit  auch  das  Wiedererwachen  kunstgewerblichen  Schaffens.  Übten
die  Bewohner  der  ältesten  Kulturstätten  Kärntens,  wie  der  Stifte  Ossiach,  Arnoldstein,
Millstatt,  St.  Paul,  Viktring,  Griffen  als  gelehrige  Schüler  ihrer  aus  Baiern,  Schwaben,
Lothringen  und  Franken  gekommenen  Lehrmeister  ihre  künstlerische  Thätigkeit  vorzugsweise
im  Dienst  der  Kirche,  so  fand  der  Handwerker  der  frühzeitig  aufblühenden  geschlossenen
Orte  auch  in  den  mit  der  fortschreitenden  Cultur  gesteigerten  Bedürfnissen  der  geistlichen
und  weltlichen  Großen  des  Landes  und  in  dem  mit  der  zunehmenden  Wohlhabenheit  sich
mehrenden  Sinne  der  Bürgerschaft  für  gefälligen  Schmuck  des  Lebens  reiche  Anregung
zu  künstlerischem  Schaffen.  Doch  mag  es  immer  nur  wenig  gewesen  sein,  was  in  der  Zeit
der  wechselnden  Herzogsgeschlechter,  in  der  romanischen  Kunstperiode,  an  wahrer  Kunstarbeit ­
  geleistet  wurde,  denn  schmucklos  war  noch  die  Wohnung  und  einfach  der  Hausrath
der  Vornehmen.  Es  ist  daher  auch  gar  nicht  zu  verwundern,  daß  von  kunstindustriellen
Gegenständen  mit  dem  Gepräge  dieser  Zeit  nur  wenige  und  zwar  ausschließlich  kirchliche  auf
uns  gekommen  sind.  Mehrere  Bronzegegeustände,  ein  kleines  Rauchfaß  aus  der  Pfarre
St.  Daniel  im  Jaunthal  und  zwei  Altarleuchter,  wahrscheinlich  ursprünglich  aus  der
Kirche  in  Maria-Saal  stammend,  sind  vorzügliche  Erzeugnisse  des  Metallgusses  jener  Zeit
und  erscheinen  besonders  die  letzteren  als  sehr  werthvolle  Denkmale  mittelalterlicher  Kunstindnstrie.
  Von  Eisenarbeiten  haben  romanisches  Gepräge  das  Beschläge  am  Eingangsthor
des  gelegentlich  der  Straßenerweiterung  1845  entfernten  romanischen  Karners  in  Friesach
und  der  Sacristeithüre  in  dem  unweit  davon  gelegenen  Grafendorf.  Zwar  nicht  mehr  dieser
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.