Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

357

gestimmte  Slave  überhaupt  mehr  Verständniß  hat  für  den  göttlichen  Dulder  auf
Golgatha  als  für  die  Menschwerdung  desselben,  daß  ihm  daher  auch  das  tiefbedeutsame
Osterfest  mehr  zusagt  als  die  heitere  Weihnacht,  —  gewiß  ist,  daß  die  Feier  jenes  Festes
freier  ist  von  abergläubischem  Brauch  und  heidnischem  Beiwerk  als  dieses,  daß  dafür
christliche  Symbolik  hier  mehr  platzgreift.  Trachtet  schon  jede  Hausfrau  am  Charsamstag
einen  Feuerbrand  vom  geweihten  Scheiterhaufen  für  ihren  Herd  zu  gewinnen,  so  sucht  auch
die  ärmste  einige  Nahrungsmittel,  bestehend  in  Fleisch  und  Brod,  zur  Weihe  zu  bringen,
reichere  schicken  ganze  Körbe  voll  dahin.  Ein  so  ausgestatteter  Korb  muß  neben  Brodlaiben
  und  Lammfleisch  einen  geräucherten  Schinken  (Kimen),  Würste  (k1obn8k),  einen

Ostersegen.

kranzförmigen  Nuß-  und  Honigkuchen  (kolae),  roth  gefärbte  Eier  (pirlli)  und  einige
Wurzeln  Meerrettich  (irren)  enthalten.  Die  Kimen  bedeutet  den  Leib  Christi,  die  spiralförmig ­
  abgeschnittenen  Schalen  der  weißen  Rübe  (Limssiea  klmpn  impiteim)  sollen  die
Fesseln  Christi  andeuten  (an  der  Luft  getrocknet,  werden  sie  bis  zur  Fastenzeit  aufbewahrt,
wo  sie,  wie  ein  Gemüse  zubereitet,  auf  den  Tisch  gebracht  werden),  der  koinä  die  Dornenkrone, ­
  die  xirtri  bedeuten  die  Blutstropfen  auf  Gethsemane  und  Golgatha,  die  klodnse
die  Wunden,  der  Irron  endlich  stellt  die  letzte  Labung  des  Heilands,  Essig  und  Galle,  vor.
Dieser  das  Leiden  Christi  versinnbildende  Ostersegen  wird  mit  besonderer  Andacht
genossen;  nur  Kinder  treiben  mit  den  Ostereiern  einige  gewinnsüchtige  Spiele,  wozu  das
Eierstoßen  (tni-cmnjo)  und  Eierhacken  (sekmnjo)  gehören.  Bei  ersterem  Spiele  werden
zwei  Eier  auf  die  Festigkeit  ihrer  Schale  geprüft.  Das  Ei,  dessen  Schale  beim  Anprall
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.