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eine Collecte veranstaltet, schließlich aber auch für sich unter allerlei Schwänken Gaben
sammelt. In solchen Fällen ist natürlicherweise die ganze Feierlichkeit an einem Tage
beendet. Heiratet Jemand zum zweitenmale, so geschieht es nicht selten, daß die muth-
willige Jugend das Brautpaar ans seinem Gange mit einem Charivari begleitet. Auch
die Eckensteher (voglarsi), welche jedes Hochzeitshaus als ungeladene Gäste nmlnngern,
treiben allerhand Schabernak, bis sie mit einer reichlichen Gabe Wein befriedigt werden.
Doch mag auch das Gelage je nach den Verhältnissen des neuen Ehepaares sich
richten, hier kurz und einfach, dort weitläufig und opulent sein; die gegenseitigen
Geschenke bestehen meist nur in seidenen Tüchern, selbst die Eheringe sind häufig nicht aus
Gold, sondern aus Silber. Denn der Slovene ist, wenn auch im Essen und Trinken nicht
immer mäßig, doch sonst im Allgemeinen sparsam; er weiß ja: „Nach Faden sammelt
sich das Vermögen, nach Seilen verliert es sich"; auch meint er: „Besser ein erspartes Ei
als ein verzehrter Ochs". Und hier ist wirklich oft das Ei erspart, aber der Ochs verzehrt.
Denn der Slovene ist nicht nur ehrgeizig und behauptet: „Ein guter Ruf reicht ins neunte
Dorf," sondern er ist auch von Prahlsucht nicht ganz freizusprechen, das heißt, er spart
lieber an den Seinigen, nur um sich Anderen gegenüber zeigen zu können.
Einen eigenen Tanz haben die Slovenen nicht; was auf Hochzeiten, Kirchweihen
oder sonst im Lande getanzt wird, ist die Polka oder ein verwilderter, theilweise an den
Czardas erinnernder Walzer. Nur zwischen dem Uskoken-Gebirge und der Kulpa kommt
wohl auch der südslavische Kolo vor.
Die Weiber obliegen meist bis zum letzten Augenblick ihrer gewohnten, nicht
immer leichten Arbeit, und selbst wenn ihre Stunde kommt, leistet ihnen häufig nur die
Mutter oder sonst eine ältere Frau Beistand. Der Mann aber, und selbst der ärmste,
sorgt in dieser Zeit dafür, daß es der Wöchnerin nicht an Wein fehle.
Seine Kinder liebt der Kramer und schreckt selbst vor einer größeren Anzahl nicht
zurück, denn er tröstet sich: „Zehn wohlgerathene Kinder elf Glücksfälle"; seine Frau hält
er deßhalb um io höher. Doch wird den Kindern keine besondere Pflege zntheil, nur
werden sie gewöhnlich bis zum ersten Jahr hin gesäugt; die sagenhaften Recken Klepec
und Stempihar sollen sogar bis ins siebente Jahr gestillt worden sein. In den ersten
Jahren läßt man die Kinder im bloßen Hemde umherlaufen; alles, was in dieser
Zeit für sie gethan wird, ist, daß sie von der Mutter beten lernen. Aber schon mit fünf,
sechs Jahren werden sie als Hirten verwendet, wo dieses Geschäft nicht etwa ein Greis
versieht, der keine schweren Arbeiten mehr verrichten kann, — Gemeindehirten sind
nämlich in Kram nicht üblich. So müssen denn Kinder und Greise bei der Arbeit aus
helfen; denn im Allgemeinen haßt der Slovene den Müßiggang/ der ihm „des Teufels
Fangnetz" scheint. Hat er doch auch seine Frau nicht auf dem Tanzboden, sondern bei der