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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

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Wie diese Fechsung oder Gabe Gottes zuweilen verwendet wird, davon wissen leider 
einige Unterkrainer Bezirksgerichte nichts Erfreuliches zu melden. Denn während der 
Oberkrainer, wie der Alpenbewohner überhaupt, mehr aus natürlichem Drang, seine Kraft 
zu bethätigen, gerne rauft, so verspürt diese Lust der Unterkrainer, sobald er Wein getrunken 
hat, dann aber wird er mitunter auch gar zu gewaltthätig. Dieser unselige Hang hat schon 
mehrere ins Verderben gebracht als andere Laster, wie der Slovene eher raubt als stiehlt. 
Denn im Ganzen ist er ein offener, ehrlicher Kerl, er liebt ebenso die Wahrheit, wie er 
den Betrug haßt. Er weiß ja: „Wo die Lüge zu Mittag speist, dort ißt sie nicht zu Abend." 
Auch behauptet er: „Zwischen Recht und Unrecht gibt es keinen Mittelweg" und meint: 
„Maß und Gewicht hilft in den Himmel". Allein obschon er selbst ehrlich ist, hält er nicht 
viel von der Rechtlichkeit Anderer; er vertraut oft kaum den Seinen, gegen Fremde ist er 
sehe mißtrauisch. Um im Handel nicht übervortheilt zu werden, bedient er sich gerne eines 
Zwischenhändlers (irrsLetur), der Käufer und Verkäufer zusammenzubriugeu, diesem zur 
Ermäßigung des Preises, jenem zur Erhöhung des Anbotes zu rathen und beide zur 
Abschließung des Handels zu drängen hat. Oft dauert eine solche Scene stundenlang, der 
Käufer entfernt sich, der Unterhändler bringt ihn wieder zurück und redet beiden neuer 
dings zu, dem Einen wie dem Anderen die Vortheile auseinandersetzend. Das viel 
Reden macht ihn dürsten, er ladet die beiden Parteien zum Wein; der Verkäufer versteht 
den Wink und läßt Wein bringen, oder alle drei gehen ins Wirthshaus. Hier endlich 
wird der Handel abgeschlossen, nachdem auch der Käufer Wein hat bringen lassen. Der 
meZokar ist natürlicherweise bei diesem Kauftrunk (Mol) nur Schmarotzer und erhält noch 
schließlich von beiden Theilen für die geleisteten Dienste irgend ein Geldstück. 
Sucht sich aber der Kramer vor Betrug zu schützen, so lehnt er sich noch mehr gegen 
jede Verkürzung seiner Rechte aus, ja schon der bloße Schein einer Übervortheilung regt 
ihn zu vollem Widerstande an und er jubelt in seltener Befriedigung auf, wenn es sich 
zeigt, daß er recht hat (pruvicm sa je Murmln!). Man kann es nicht leere Proceßsucht 
nennen, es mag vielmehr ein hervorragender Rechtsinn sein, der den Slovenen oft drängt, 
Advocat und Gericht zu beschäftigen, Hans und Hof aufs Spiel zu setzen, um zu seinem 
vermeintlichen Recht zu gelangen. Auch vor gewaltthätiger Selbsthilfe scheut er nicht, 
wenn er meint, daß ihm ein Unrecht geschehen. Sonst ist er gegen den Nachbar dienst 
fertig bis zum äußersten; Hab und Gut stellt er ihm zur Verfügung, den Ochsen leiht 
er ihm wie der eigenen Arme Kraft, er sagt: „Du für mich, ich für dich, Gott für Alle.' 
Diese Hilfebereitschaft dürfte wohl ein altes Erbstück des Slovenen sein, Neuerungen 
ist er schwer zugänglich. Wie lange brauchte es, bis statt der Brache die Wechselwirthschaft 
so ziemlich allgemein wurde! Der Lacker webte schon lange nicht mehr das Tuch für seine 
Landsleute, ging aber doch nie ohne den kleinen Webekamm im Zwerchsack aus. Mit den
	        
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