Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

440

nahmen,  war  es  Zois,  der  ihm  mit  hilfreicher  Hand  tröstend  und  aufmunternd  zur  Seite
stand  und  seinen  bisher  so  regen  Geist  vor  Erschlaffung  bewahrte.  Im  Jahre  1806
veröffentlichte  Vodnik  die  erste  Sammlung  seiner  Gedichte  (eine  kritische  Gesammtansgabe
besorgte  Fr.  Levstik  1869),'  welche  mit  Recht  eine  ungetheilt  günstige  Aufnahme  fanden,
—  ließen  sie  ja  doch  alle  bisherigen  Producte  dieses  Genres,  seine  eigenen  in  Devs
„Pisaniee"  enthaltenen  nicht  ausgenommen,  weit  hinter  sich.  Da  gibt  es  nichts  Schales
oder  Schwächliches,  kein  falsches  Pathos  oder  barocke  Sentimentalität  und  was  dergleichen
mehr  ist,  Alles  ist  kraftvoll  und  markig,  immer  natürlich  und  doch  niemals  derb  oder
trivial.  In  die  Denk-  und  Empfindungsweise  des  Volkes  eingeweiht  und  mit  den  poetischen
Äußerungen  des  Volksgeistes  genau  vertraut,  gibt  der  Dichter  gerne  Stimmungen
Ausdruck,  die  im  Herzen  des  Volkes  ihr  Echo  finden  mußten,  daher  mehrere  seiner  Lieder
geradezu  Volkslieder  geworden  sind.  Andere  wieder  schildern  Land  und  Leute  mit  seltener
Frische  und  Treue  und  sind  anmuthige  Bilder  der  poetischen  Kleinmalerei.  Aus  allen
aber  spricht  eine  tiefe,  glühende  Liebe  zur  Heimat  und  zur  Nation,  welche  der  Dichter
glücklich  und  geachtet  zu  sehen  wünscht  und  zu  dem  Zwecke  seine  besten  Kräfte  bereitwilligst
in  ihren  Dienst  stellt.  In  der  That  ist  es  nicht  der  Poet  allein,  sondern  auch  der  selbstlose
Patriot,  Pädagoge  und  Gelehrte,  der  hier  thätig  eingreift.  Er  verschmäht  es  nicht,  mit
Herausgabe  eines  Kalenders  sich,  abzuplagen,  nur  um  durch  belehrende  Aufsätze  ans  das
Volk  bildend  und  veredelnd  einzuwirken.  Er  begründet  die  erste  politische  Zeitschrift  in
slovenischer  Sprache,  verfaßt  eine  den  wissenschaftlichen  Anforderungen  Rechnung  tragende
Geschichte  seines  engeren  Vaterlands  und  der  angrenzenden  Gebietstheile,  codificirt  die
grammatikalischen  Erscheinungen  seiner  Muttersprache,  sucht  ihren  Wortschatz  aus  dem
literarischen  Bestände  und  dem  Volksmunde  zu  heben,  kurz  er  entfaltet  neben  seiner  segensreichen ­
  lehramtlichen  eine  vielseitige  und  unermüdliche  schriftstellerische  Thätigkeit.  Beide
ergänzen  einander  und  steigern  bedeutend  die  Werthschätzung,  die  sich  Vodnik  als  Dichter
in  ebenso  hohem  als  verdientem  Maße  erworben  hat.
Seit  Vodnik  entäußert  sich  die  Literatur  auch  mehr  und  mehr  ihres  provinziellen
Charakters,  die  Peripherie  beginnt  auf  die  geistigen  Impulse  des  centralen  Theiles  immer
lebhafter  zu  reagiren.  In  Steiermark  machen  sich  L.  Volkmer  und  St.  Modrinjak,  im
Küstenland  Valentin  Stanic,  in  Kärnten  Urban  Jarnik  als  Dichter  vortheilhaft  bemerkbar.
Vorerst  jedoch  wird  wieder  der  Sprache  besondere  Aufmerksamkeit  gezollt  und  deren  Bau,
beziehungsweise  Wortschatz  von  Männern,  wie  dem  später  als  Slavist  berühmt  gewordenen
Bartholomäus  Kopitar,  von  I.  L.  Smigoc,  P.  Dajnko,  Fr.  Ser.  Metelko,  U.  Jarnik,
A.  I.  Murko  einer  ausführlichen,  da  mehr,  dort  minder  gründlichen  Darstellung,  zum
Theil  selbst  einer  historisch-kritischen  Analyse  unterzogen.  Auch  ein  lebhafter  Krieg  um  die
Orthographie  entbrannte  und  drohte  zu  einer  verhängnißvollen  Spaltung  zu  führen,  doch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.