MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

465 
Tympannm aufsteigt. Andere hübsche Centralbanten sind in Teinitz bei Stein und in 
Neustift bei Reifnitz. Zu den schöneren Kirchen, die sich durch edle Verhältnisse auszeichnen, 
gehören die Kirchen in Tirnau, Stein, Michelstätten, Adelsberg u. s. w. Die kleineren 
Pfarrkirchen haben einen ziemlich gleichen Typus, sie nähern sich mehr den Centralbauten. 
Ihre Anlage entwickelt sich aus einem länglichen Viereck mit abgestumpften Ecken, so daß 
ein Achteck mit ungleichen Seiten daraus entsteht. An diesen Seiten sind mehr oder weniger 
tiefe Nischen für die Altäre. 
Gegen Ende des XVIII. und in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts wurden 
zwar mehrere Kirchen neu gebaut, aber ohne bestimmten Stil. Man errichtete mehr oder 
weniger praktische Räume für den Gottesdienst, ans die Architektur und Decorativn ist 
fast gar keine Rücksicht genommen. Es bauten nun Baumeister, die ihre Kenntnisse lediglich 
dem eigenen Studium verdankten und der gehörigen Bildung ermangelten, nur nach 
eigenem Geschmack. Schöne Räume mit gefälliger architektonischer Gliederung, obwohl 
kein Stil streng eingehalten wird, haben z. B. die Kirchen in Oberlaibach, Eisnern, 
Altlack, Wochein u. s. w. — In der neuesten Zeit ist sowohl beim Kirchenban als auch in 
der Profanarchitektur ein bedeutender Umschwung zum Bessern eiugetreteu. Wenigstens 
versuchsweise hat man im Jahre 1848 im romanischen Stil zu bauen angefangen, zum 
Beispiel in Flödnig. Der gelungenste Bau im romanischen Stil ist die Pfarrkirche in 
Reifnitz. Im frühgothischen Stil wurde im Jahre 1882 die Herz-Jesu-Kirche anfgeführt, 
ein Backsteinban, der erste in Kram bei den Kirchenbauten. Fertige Pläne für neu zu 
erbauende Kirchen liegen vor, und zwar vom k. k. Oberbaurath Freiherrn von Schmidt 
für Gottschee im romanischen und für Veldes im gothischen Stil, vom Architekten Mikovitz 
in Graz für Brezje im italienischen Renaissancestil. 
Auch bei Profanbauten hat man den nackten Kasernenstil aufgegeben und den 
gefälligeren Formen der italienischen Renaissance sich zugewendet. Auf die Läuterung des 
Geschmacks hat vorzüglich die Wiener Architektenschule einen sehr wohlthütigcn Einfluß 
ausgeübt. Beweis dessen sind die Gebäude, die in neuester Zeit aufgeführt wurden. Die 
schönen Verhältnisse der Stvckwerkshöhen, die reiche organische Gliederung im Neben- 
und Übereinander, die energisch vorspringenden profilirten Gesimse, Balcone und Fenster 
bekrönungen, die richtige Eintheilung der Flächen und die damit in Einklang stehende 
Ausladung der architektonischen Glieder, alle diese Vorzüge zeichnen die neuen Gebäude 
vortheilhaft aus und zeugen von einem gebildeten Schönheitsgefühl. Als Beispiel führen 
wir an: die Oberrealschule (1871 bis 1873), das Hotel Europa und das neue Museum. 
Ein kräftiger Unterbau trägt bei letzterem im Mitteltheil eine Colonnade jonischer 
Ordnung, welche das Stockwerk charakterisirt. Das Vestibüle und der Stiegenraum bilden 
die Hauptzierde der Ausstattung; die Wölbungen sind mit geschmackvollen Malereien der 
Kärnten und Krain. 30
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.