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allmälig der Stadt Görz das Gepräge einer ausschließlich italienischen Stadt verlieh. Nur
der Adel bewahrte seine deutsche Nationalität und seine deutsche Sprache eifersüchtig, wie
er denn auch vom Kaiser Ferdinand !. sich das Privilegium erbat, daß seine Zugehörigkeit
zum deutschen Reiche und sein deutscher Charakter vom Laudesherrn anerkannt werde.
Biele Adelige schickten ihre Sohne in die deutschen Schulen zu Graz und Wien und zogen
selbst an den kaiserlichen Hof, wo sie auch bereitwillige Aufnahme fanden. Sie traten auch
sowohl in der Verwaltung als im Heere in den kaiserlichen Dienst, in welchen! sie sich, wie
bereits erwähnt wurde, rühmlich hervorthaten.
Dieser Zustand währte länger als zwei Jahrhunderte, bis zur Regierungsepoche der
Kaiserin Maria Theresia. Da mit der Aufhebung des Jesuitenordens die italienischen
Schulen in Görz geschlossen wurden, griff die Kaiserin mit kräftiger Hand ein und schuf
eine Neugestaltung des öffentlichen Unterrichts, wodurch sie - - man muß es sagen — die
Grafschaft Görz für die deutsche Cultur eroberte. Sie errichtete allenthalben deutsche Volksschulen,
gründete ein deutsches Gymnasium mit philvsvphischem und theologischem Institut,
führte deutsche Ämter in die Verwaltung ein, berief deutsche Gewerbelente in das Land
und förderte den Verkehr der deutschen Provinzen mit der Grafschaft Görz in jeglicher
Weise. Die Söhne des Görzer Adels berief sie in die von ihr gegründete Theresianische
Ritterakademie, aus welcher auch ein Liebling der Kaiserin, der später als Görzer Historikm
rühmlich bekannt gewordene Graf Rudolf Coronini hervorging. Diese wohlthätigen Maßregeln
erzielten ihre volle Wirkung, indem die in den deutschen Schulen erzogenen jungen
Männer die Kenntniß und den Gebrauch der deutschen Sprache in ihre Minilien mitbrachten,
wodurch es bald dahin kam, daß die gebildeten Classen, unter voller Wahrung
ihrer italienischen Nationalität, mit der deutschen Sprache vertraut wurden. Dies währte
bis in den Beginn des laufenden Jahrhunderts, wo die wiederholten Invasionen feindlicher
Heere und die Abtretung der Grafschaft Görz an Frankreich den Gebrauch der deutschen
Sprache zurückdrängten. Nach der Rückkehr der Grafschaft unter die österreichische Herrschaft
erlangte die deutsche Sprache wieder ihre Rechte und behielt dieselben bis zum
Jahre k848. Als durch die politischen Ereignisse jenes Jahres die nationalen Strömungen
auftauchten, mußte die deutsche Sprache allmälig ihre bevorzugte Stellung mit den Landessprachen
theilen, bis unter der Herrschaft der Staatsgrundgesetze des Jahres 1867 und
der neuen Schulgesetze allerorts Volksschulen in der Muttersprache der Bevölkerung
errichtet wurden. Der Drang nach dem Unterricht in der deutschen Sprache snr das
Bedürfniß des Verkehrs und als Vorbereitung für die Humanitätsstudien äußerte sich
indes; so lebhaft und so allgemein, daß die kaiserliche Regierung sich veranlaßt fand, mit
der Lehrerinnen-Bildungsanstalt in Görz Übungsschulen mit zum großen checke deutscher
Unterrichtssprache zu verbinden.