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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Das Küstenland (Görz, Gradiska, Triest und Istrien)

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deutsche  Schauspiele  kamen  sporadisch  vor,  welche,  weuu  sie  erträglich  waren,  zahlreichen
Zuspruch  fanden.
Seit  einem  Vierteljahrhundert  hat  sich  Görz  aus  einen:  stillen  Landstädtchen  zu
einer  recht  ansehnlichen  Provinzhauptstadt  erhoben,  deren  Bewvhnerzahl  sich  in  nicht
tanger  Zeit  von  10.000  ans  20.000  Seelen  verdoppelte.  Neue  Stadttheile  entstehen  mit
breiten  Straßen;  die  einst  engen  und  finsteren  Kaufladen  haben  mit  verlockenden  Anklagen
einen  großstädtischen  Typus  angenommen  und  befriedigen  mit  ihrem  reichen  Waarenlagei
alle  Bedürfnisse  des  städtischen  Lebens  selbst  in  höheren  Kreisen.  In  der  Mitte  der  <-tadt
breitet  sich  ein  geräumiger  öffentlicher  Garten  aus  mit  üppiger  Vegetation,  die  fast
durchaus  den  südeuropäischen  Charakter  trägt,  um  welchen  weit  größere  Städte  Görz

beneiden  können.
Es  darf  als  ein  besonderer  eulturgeschichtlicher  Vorzug  von  Görz  bezeichnet  werden,
daß  hier  infolge  der  glücklichen,  gegen  Süden  geöffneten  Lage  nicht  nur  alle  Pflanzen  der
südenropäischen  Zone,  sondern  auch  alle  Gewächse  der  japanischen  Flora  im  Freien  svrtkommen.
  In  dem  Garten  des  Herrn  Wilhelm  von  Ritter  trifft  man  eine  umfassende
Pflanzung  von  baumartigen  Kamelien  mit  Tausenden  von  Blüten  an,  welche  in  Oberitalien
bis  znm  Lago  Maggiore  im  Freien  nicht  fvrtkommen.  Die  südlichen  Pflanzen  aber,  die
Görz  mit  Oberitalien  theilt,  gedeihen  hier  besonders  üppig;  so  sind  die  Cypressen,  dre  mw
in  Oberitalien  nur  einzeln  oder  in  dünnen  Reihen  begegnen,  in  Görz  sehr  zahlreich  und
kvnnnen  hier  in  großen  Gruppen  (im  alten  Friedhof  zählt  man  deren  allein  450)  vor.
Elegante  Bäder  tragen  viel  zur  Erhöhung  des  Comforts  bei,  und  wie  lebhaft  der  Verkehr
in  der  Stadt  sich  entwickelt,  beweisen  mehr  als  hundert  Miethwagen,  welche  Zahl  nur
wenige  Provinzhanptstädte  aufzuweisen  haben.  Dieser  große  Aufschwung  der  «tadt  Gorz
ist  hauptsächlich  drei  Umständen  zu  verdanken.  Nach  der  Abtretung  des  lombardisch
venetianischen  Königreiches  wurde  die  nunmehrige  Grenzstadt  Görz  ein  Stapelplatz  für
den  internationalen  Verkehr,  wodurch  der  Speditionshandel  bedeutend  gehoben  wurde.

Durch  die  Vollendung  der  Eisenbahnlinie  kam  Görz  auch  in  die  volkswirthschaftlich  auyeivrdentlich
  günstige  Lage,  die  Erzeugnisse  seiner  Landwirthschaft,  wie  Gemüse,  Obst,
Kartoffeln  und  namentlich  Weintrauben,  welche  in  seinem  milden  Klima  um  mehrere
Wochen  früher  reif  werden  als  in  den  nördlichen  Ländern,  nach  Wien  und  anderen
österreichischen  Städten  zu  günstigen  Preisen  abzusetzen.  Insbesondere  aber  trug  dazu  bei,
daß  die  Stadt  seit  einem  Jahrzehnt  in  die  Reihe  der  klimatischen  Winterenrorte  eingetreten
ist.  Sie  hat  sich  in  derselben  bereits  dauernd  eingebürgert  und  dürfte,  was  das  treffliche
Klima,  die  milde,  gesnndheitspendende  Luft,  den  fast  gänzlichen  Mangel  an  Winden,
verbunden  mit  der  Annehmlichkeit  eines  städtischen  Lebens  betrifft,  wohl  kaum  einen
ebenbürtigen  Rivalen  finden.
            
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