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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Das Küstenland (Görz, Gradiska, Triest und Istrien)

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l^anta  ^ucia  —  Ülquilqja  —  Grado.
Wer  den  Boden  Aquilejas  heute  betritt,  wird  sich  einigermaßen  enttäuscht  fühlen.
Es  gibt  Städte  uralter  Gründung,  welche  durch  alle  Zeiten  ihren  Rang  behauptet  haben,
weil  die  Quellen  ihres  Wohlstandes  niemals  versiegten,  sich  beständig  erneuerten  und
eben  deßhalb  in  ihrer  architektonischen  Erscheinung  kaum  noch  eine  Spur  ihrer  schicksalsreichen ­
  Vergangenheit  an  sich  tragen.  Und  es  gibt  hinwiederum  solche,  die  tief  von  ihrer
einstigen  Höhe  gefallen  sind,  aber  da  die  Banlust  naturgemäß  mit  dem  schwindenden
Reichthum  erlahmen  mußte,  die  Denkmäler  früherer  Tage  erhalten  und  damit  den
sprechendsten  Beweis  ihrer  historischen  Bedeutung  bewahrt  haben.  Aquileja  gehört  weder
zu  den  einen  noch  zu  den  andern.  Was  heute  diesen  stolzen  Namen  trägt,  ist  eine  Anzahl
ärmlicher  Häuser  inmitten  des  fruchtbaren,  von  Kanälen  durchschnittenen  Gefildes,  nur
lose  miteinander  zusammenhängend  und  somit  des  ersten  städtischen  Merkmals,  der
Coneentration  entbehrend.  Von  der  römischen  Weltstadt,  dem  großen  Emporium  am
adriatischen  Meere  und  dem  mächtigen  Bollwerk  Italiens  gegen  die  Barbaren,  ist  keine
Mauer,  keine  Säule  aufrecht  stehen  geblieben.  Und  was  viel  erstaunlicher,  auch  die  kirchenreiche ­
  Patriarchenstadt  ist,  von  der  Basilica,  ihrem  Campanile  und  dem  in  Trümmern
liegenden  Baptisterium  abgesehen,  wie  vom  Erdboden  hinweggefegt.  Um  dieses  fast  völlige
Verschwinden  zweier  gleichsam  übereinander  entstandenen  Städte,  von  welchen  die  spätere,
wenn  auch  der  älteren  an  Glanz  und  Reichthum  unendlich  weit  nachstehend,  noch  immer
der  Ausdruck  einer  bedeutenden  materiellen  und  einer  noch  größeren  geistigen  Macht  war,
genügend  zu  erklären,  reicht  es  lange  nicht  hin,  auf  die  Drangsale,  welche  in  den  Bürgerkriegen ­
  des  sinkenden  Römerreiches  Aquileja  zu  erdulden  hatte,  auf  die  entsetzlichen
Verheerungen  der  Stadt  durch  die  Hunnen  und  die  Langobarden,  auf  die  Fehden  des
Patriarchats  im  Mittelalter  zu  verweisen.  Alan  muß  sich  vergegenwärtigen,  wie  in  den
kriegerischen  Zeiten  mit  dem  Darniederliegen  des  Ackerbaues  die  Versumpfung  der  einst
ihrer  blühenden  Fluren  wegen  gerühmten  Ebene  um  sich  griff,  wie  die  Sumpflnft  Fieber
und  böse  Krankheiten  über  das  Land  brachte,  wie  die  Patriarchen  und  ihr  zahlreiches
Gefolge  von  Priestern  und  Mönchen  sich  deshalb  schon  im  VIII.  Jahrhundert  nach  dem
freundlich  gelegenen  Cividale  znrückzogen,  um  den  ungesunden  und  entvölkerten  Ort  nur
bei  außerordentlichen  und  festlichen  Gelegenheiten  wieder  zu  betreten,  wie  die  verfallenden
Bauwerke  in  ihrer  bequemen  Lage  nahe  am  Meere  durch  Jahrhunderte  als  Steinbrüche
dienten  und  wie  die  anfblühende  Stadt  am  Rialto  aus  den  Steinen  des  alten  Aquileja
errichtet  worden  ist.  Was  dieser  langsam,  aber  beständig  fortschreitenden  Zerstörung
entging,  wurde  schließlich  durch  die  unter  Maria  Theresias  ruhmreicher  Regierung  unternommenen ­
  Damm-  und  Kanalbanten  hinweggerünmt,  durch  welche  das  umliegende  Land,
            
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