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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Das Küstenland (Görz, Gradiska, Triest und Istrien)

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Leben  besiegelt.  Bei  dem  Taufschmaus  trinkt  man  der  Wöchnerin  und  dem  Kinde  zu,
welchem  mau  wünscht,  daß  es  gut  und  des  Großvaters,  respeetive  der  Großmutter  würdig
werde;  man  heißt  es  Engel  und  beschenkt  es,  wohin  es  gebracht  wird.  Auch  die  Wöchnerin
kommt  mit  dem  Kinde  zum  Tisch,  dankt  dem  Pathen  und  sagt,  auf  das  Kind  zeigend:
„Ohne  dieses  wären  wir  heute  nicht  so  fröhlich".  Sie  genießt  das  Beste,  was  man  im
Hause  bekommt,  und  trinkt  den  besten  Wein.  Einige  Wochen  bewegt  sie  sich  in  bloßen
Strümpfen,  ohne  Schuhe,  nur  im  Hause  herum  ohue  auszugehen;  fühlt  sie  sich  endlich
stark  genug,  die  Hausarbeiten  zu  verrichten,  so  begibt  sie  sich  mit  Geschenken  zum  Pfarrer,
der  sie  segnet  und  in  die  Kirche  einführt,  wo  sie  einer  Messe  beiwohnt  und  zur  Ehre  der
Mutter  Gottes  eine  Kerze  anzündet.
Am  charakteristischsten  sind  die  Hochzeitsgebräuche.  Mit  dem  achtzehnten  Jahre  tritt
in  vielen  Gegenden  Istriens  der  Knabe  in  den  Kreis  der  reifen  Jugend  ein,  um  mit
dieser  das  Dorf  und  namentlich  die  Mädchen  vor  der  Jugend  der  Nachbardörfer  zu
schützen,  Abends  mit  den  Kameraden  die  Mädchen  im  Dorfe  zu  besuchen,  mit  ihnen,  in
Gegenwart  der  Eltern,  zu  plaudern,  zu  scherzen  und  zu  singen.  Um  zu  diesem  Rechte  zu
gelangen,  muß  er  eines  Abends  die  Dorfbnrschen  bewirtheu,  svnst  wird  er,  ertappt  bei
Mädchenbesuchen,  wie  ein  unmündiges  Kind  behandelt  und  nach  Halste  geschickt.  Diese
Aufnahme  in  den  Kreis  der  reifen  Jugend  wird  in  manchen  Orten  Bruderschaft  genannt,
und  der  neu  Eintretende  heißt  von  diesem  Tage  an  „junger  Bruder"  und  erst  später,  wenn
ihm  ein  älterer  die  Rechte  und  Pflichten  auseinandergesetzt  hat,  „Bruder".
Schon  bei  den  erwähnten  Hausbesuchen  oder  bei  sonst  sich  darbietender  Gelegenheit ­
  erwählt  sich  der  Jüngling  seine  zukünftige  Gefährtin,  an:  liebsten  unter  seinesgleichen,
wie  das  Lied  sagt:  „Eine  Chersinerin  nimmt  keinen  Adeligen  und  ein  Lussinianer  zieht
eine  Einheimische  jeder  venetianischen  Dame  vor."  Seine  Absichten  gibt  der  Jüngling
selbst  dein  Mädchen  nicht  kund,  und  früher  geschah  es  sogar,  daß  die  Mutter,  wie  auch
das  Volkslied  lautet,  ihre  Tochter  schon  in  der  Wiege  verlobte.  Zuerst  vertraut  er  sich  seinen
Eltern  an,  auf  deren  Zustimmung  besonders  gesehen  wird,  während  diese  wieder  darauf
achten,  daß  es  ein  Mädchen  „gesunden  Blutes  und  guter  Mutter  ist",  denn,  „wie  die
Mutter  spinnt,  so  webt  die  Tochter",  oder  „beim  Pferde  sieht  man  auf  den  Gang,  beim
Mädchen  auf  den  Stamm",  ob  sie  sich  gilt  aufführt  und  fleißig  arbeitet.  Daun  beginnt  die
Werbung,  wobei  wiederum  die  Eltern  des  Mädchens  vorzugsweise  auf  „gesundes  Familienblut" ­
  achten.  Die  ersten  Schritte  unternimmt  meist  irgend  eine  alte  entfernte  Verwandte
des  Jünglings  und  untersucht  von  der  Seite  das  Terrain.  Fällt  dies  nach  ihrer  Meinung
günstig  aus,  so  begeben  sich  einige  ältere  Verwandte,  in  der  Regel  der  Oheim  oder  auch
der  Vater  ins  Haus  des  Mädchens,  um  direet  anzufrageu.  In  einigen  Gegenden  kommen
Sonntags  die  Freiwerber  zu  Pferde  und  fragen  vor  dem  Hause,  ohne  abzusteigeu,  an.
            
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