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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Das Küstenland (Görz, Gradiska, Triest und Istrien)

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letzten Ölung. Verwandte und Nachbarn erscheinen beim Kranken, um ihn noch einmal 
zu küssen, um für ihn zu beten und ihn mit Weihwasser zu besprengen. Hat der Sterbende 
die Seele ausgehaucht, so betet man und besprengt ihn und zeigt seinen Tod dem Pfarrer 
und der ganzen Verwandtschaft an, die sich zahlreich am Leichenbegängniß betheiligt. 
Tragen die Verwandten sonst nicht immer Tuchkleidung, zum Leichenzuge, und wenn es 
Hochsommer wäre, müssen sie in solcher erscheinen, und die nahe Verwandtschaft trägt sie 
durch das ganze Jahr, die entfernteren und die Dorfbewohner nur durch einige Wochen. 
Die weibliche Verwandtschaft legt über den Tuchmantel einen schwarzen oder dunklen 
vom Kopf bis zu den Füßen reichenden Schleier. In Jursici, im Bezirk Pola, tragen 
die Weiber als Zeichen der Trauer ein Plaid um den Rücken; wo jedoch die städtische 
Tracht schon angenommen wurde, trägt man schwarze Kleider und schwarze Kopftücher. 
Schon während der Kranke in den letzten Zügen liegt, weinen die Weiber in der Stube, 
anfangs leise; hat er aber ausgerungen, so verfallen sie in lautes Klagen, waschen den 
Todten, legen ihm seinen besten Anzug an, werfen sich auf den Leichnam und bedecken 
ihn mit Küssen. Diese Wehklagen wiederholen sich von Zeit zu Zeit, so lange der Ver 
storbene auf dem Todtenbett ruht, außer während der Nacht. Lautes Weinen erschallt 
auch, sobald der Todte in den Sarg gelegt, wenn letzterer zugenagelt wird, dann unter 
wegs überall, wo der Zug stehen bleibt, endlich bei der Leichenfeier in der Kirche, nur 
nicht während der Messe. Zum Grabe selbst begeben sich nur die Männer, sie werfen 
einen Haufen Erde auf den Sarg, die Worte wiederholend: „Herr, erbarme dich seiner", 
während die Frauen heimkehrend ihre Klagen meist in Liedern fortsetzen, in denen sie 
besonders die Vorzüge des Seligen hervorheben und ihn bitten, alle Verstorbenen zu 
grüßen. Auch bei dem üblichen Leichenmahle preist einer der Anwesenden in längerer Rede 
die Vorzüge des Verstorbenen; zugleich empfiehlt man ihn dem Gebete der Armen, die an 
solchen Tagen reichliche Gaben erhalten. Die hier und da üblichen Wachskerzen hält man 
für besonders geweiht, während das Licht der beim Todten brennenden Öllampe noch durch 
ein paar Tage im Hause des Verblichenen unterhalten wird. Die Reste des Öles werden 
häufig mit Weihwasser und Brod vermengt und ins Feuer geworfen, was auf alter- 
thümliche Todtenopfer hinzuweisen scheint. Es herrscht ein tiefeingewurzelter Volksglaube, 
daß die Verstorbenen zurückzukehren pflegen, um Jemandem einen Rath zu ertheilen, ihm 
zu drohen oder ihn zu bitten. 
Sehr verbreitet ist der Glaube an die Unglückszahl 13, ebenso daß man am Freitag 
oder bei der einen oder anderen Mondphase nichts beginnen soll, daß die Erscheinung der 
Kometen, der Eintritt einer Sonnen- und Mondesfinsterniß Unglück bedeute, daß dem 
Menschen bei der Geburt der Stern des Glücks oder Unglücks leuchte, daß ein böser 
Blick schade, daß dies oder jenes dem Menschen im voraus bestimmt sei und es dagegen
	        
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