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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Das Küstenland (Görz, Gradiska, Triest und Istrien)

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Anbau nahezu aller Prodncte des Südens geeignet. Mehr als drei Fünftheile des cultur- 
fähigen Bodens, das sind 27.712 Hektar, entfallen auf Ackerland mit Weinreben, der Rest 
auf Wiesen, Weiden und Weingärten. Vvn der Hügellaudschaft bis zur See hin bietet die 
Görzer Ebene in ihrer gesannnten Ausdehnung das überraschende Bild eines einzigen 
unübersehbaren, wohlbebauten Feldcomplexes. Die hochstämmigen, auf Pappeln, Ahorn-, 
Kirsch- und anderen Bäumen sich stützenden Weinreben ranken in geraden Reihen gleich 
Festguirlanden von Baum zu Baum fort, unter der grünen Hülle des Weinlaubes schwer 
hangende Trauben bergend. Zwischen je zwei Rebenreihen breiten sich in einem Abstand 
Vvn 10, 20 und mehr Meter, von Maulbeerbäumen eingeschlossen, die üblichen Cultur- 
arten des Ackerlandes aus: im Frühjahr der Weizen, nach Einheimsung desselben der 
Cinquantino, eine Art türkischer Weizen, der in den letzten zwei Sommermonaten reift und 
eine zweite Getreideernte abgibt; hierauf, nachdem der Ackerboden im Winter geruht, 
der Mais, neben dem Weizen das Hauptprodnct der Ebene und das nahezu ausschließ 
liche Nahrungsmittel des Friauler Landvolkes. Auf die Maisernte folgen zumeist Weizen, 
Steckrüben oder Futterkräuter. Nächst den verschiedenen Getreidearten ist der Wein — 
der bekannte Friauler Rothwein — das wichtigste Erzeugniß der Ebene. 
Eine der Görzer Grafschaft ausschließlich eigenthümliche, in Österreich sonst nicht 
einheimische Cultur ist die seit ein paar Jahrzehnten unterhalb Aqnileja und bei Monfaleone 
eingebürgerte, durch die Leichtigkeit der Bodenbewässerung ungemein begünstigte Reiscultur. 
Das Terrain wird zu diesem Zweck sorgsamst geebnet und in Parcellen getheilt, welche, 
durch Dämme von einander getrennt und von Bewässerungskanälen durchzogen, die 
sogenannten ständigen Reisfelder bilden. Nachdem im Frühjahr der Boden leicht 
umgearbeitet worden, wird er oberflächlich unter Wasser gesetzt und sodann der Reissamen 
gesäet. Im Sommer wiederholen sich regelmäßig die Bewässerungen, so zwar, daß das 
Wasser beständig einige Centimeter' den Boden bedeckt. Rechtzeitige Jütungen dienen zur 
Beseitigung des wuchernden Unkrauts. Im September wird die Bewässerung eingestellt 
und die nunmehr reife Saat durch Arbeiterinnen geerntet. Der Ertrag der 600 Hektar 
Sumpfland bedeckenden Görzer Reisfelder beläuft sich auf 20 bis 30 Hektoliter pro Hektar. 
Das Product wird größtenteils in den Reismühlen von Monastero bei Aqnileja 
enthülst und geschält. 
Eigentliche Viehzucht wird in der Ebene nur in beschränktem Maße betrieben. Das 
Hornvieh, von großem, kräftigem Körperbau und lichtem Fell, wird nur als Arbeitsvieh 
für den landwirthschaftlichen Gebrauch gezüchtet. Die Schweinezucht ist nicht ganz 
unbedeutend und liefert einen einheimischen Schlag vvn großen, starkknochigen Thieren. 
Einen ansehnlichen Factor der kleinen Hauswirthschaften bildet das Hausgeflügel, und 
werden Hühnereier auch nach auswärts versendet.
	        
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