Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Das Küstenland (Görz, Gradiska, Triest und Istrien)

358

mit  Weidenruthen  zu  Bündeln  (kasai)  von  je  1.000  Stück  binden  lassen  und  sodann  in
dieser  Form  nach  Venedig  zu  Markte  bringen.  Holzstücke  von  mehr  als  sieben  Centimeter
Durchmesser  werden  nicht  gebunden,  sondern  als  ein  Fascio  betrachtet,  selbst  wenn  sie
doppelt  so  dick  wären,  woraus  sich  die  kurze  Umtriebszeit  dieser  Niederwälder  erklärt.
Doch  ergibt  sich  bei  genauer  Erhebung  der  einschlägigen  Verhältnisse,  daß  ein  höheres
Benützungsalter  im  Interesse  des  Waldbesitzers  liegt,  da  der  durchschnittliche  Zuwachs  im
Alter  von  zehn  bis  zwölf  Jahren  am  größten  ist  und  stärkeres  Holz  in  Triest  verwerthet
werden  kann,  wenngleich  der  Verkauf  nach  Venedig  wegen  der  in  Gold  erfolgenden
Zahlung  den  Waldbesitzern  vortheilhafter  scheint.
In  der  allgemeinen  Waldordnung  vom  4.  Jänner  1475  hatte  die  Republik  Venedig
die  Umtriebszeit  für  das  Unterholz  in  den  damaligen  Mittelwäldern  Istriens  auf  12  Jahre
bestimmt,  jedoch  in  der  Waldordnung  vom  10.  December  1778  auf  8  Jahre  herabgesetzt.
Da  das  aus  Weißbuchen  und  anderen  Sträuchern  gewonnene  Holz  bianca)
um  40  Procent  tiefer  im  Preise  steht  als  Eichenholz,  dabei  aber  ein  doppelt  so  hohes
Benützungsalter  erfordert,  so  ist  dessen  Verkauf  kaum  lohnend  und  wird  dasselbe  deßhalb
häufig  nur  zum  eigenen  Bedarf  verwendet,  welcher  übrigens  größtentheils  durch  die
Abfälle  des  landwirthschaftlichen  Betriebes  (Weinreben,  Oliven-  und  Maulbeerzweige)
gedeckt  wird.  Ehemals  wurden  in  Istrien  viele  Eichenstämme  als  Oberholz  übergehalten,
um  zum  Schiffbau  verwendet  zu  werden;  seitdem  aber  die  Schiffswerften  Istriens  wegen
der  geringen  Rentabilität  der  Segelschiffe  verödet  sind  und  die  Kriegs-  und  Handelsdampfer ­
  aus  Eisen  hergestellt  werden,  hat  auch  diese  Verwendung  des  Eichenholzes
nahezu  gänzlich  aufgehört  und  wird  die  Brennholzgewinnung  bevorzugt,  welche  dem
Grundbesitzer  in  Hinblick  auf  den  sehr  schwankenden  Ertrag  der  Landwirthschaft  eine
regelmäßig  eingehende  Rente  sichert  und  ihm  auch  die  Möglichkeit  der  Aufnahme  von
Anlehen  auf  Rechnung  der  zu  gewärtigenden  Holzernte  gibt.  Ans  diesem  Grunde  ist
der  Werth  eines  gut  bestockten  Eichenniederwaldes  jenem  eines  Ackers  mittlerer  Güte
gleichgestellt  und  werden  die  Schlagflächen  sorgfältig  vor  dem  Vieheintrieb  behütet,  bis
der  junge  Nachwuchs  eine  genügende  Höhe  erreicht  hat.
Die  eben  geschilderten  Verhältnisse  herrschen  jedoch  nur  in  den  von  der  Küste  nicht
allzu  entfernten  Gegenden  vor,  während  in  den  entlegenen  Theilen  der  Bezirke  Mitterburg
(Pisino),  Albona  und  Pingnente  sich  der  Transport  des  Brennholzes  zur  Küste  nicht  lohnt.
Deßhalb  wird  dem  Walde  dort  auch  nicht  jene  Sorgfalt  zugewendet  und  werden  die
Waldgründe,  wo  es  nur  möglich  ist,  behufs  Anlage  von  Weingärten  gerodet.  Da  der
Untergrund  in  diesen  Orten  ein  sehr  brüchiger  Mergel-,  theilweise  Thonschiefer  ist  und  die
Böschungen  des  Terrains  meist  ziemlich  steil  sind,  so  wird  das  fruchtbare  Erdreich  von
den  Regengüssen  in  kurzer  Zeit  abgeschwemmt  und  bilden  sich  Runsen,  durch  welche
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.