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mit Weidenruthen zu Bündeln (kasai) von je 1.000 Stück binden lassen und sodann in
dieser Form nach Venedig zu Markte bringen. Holzstücke von mehr als sieben Centimeter
Durchmesser werden nicht gebunden, sondern als ein Fascio betrachtet, selbst wenn sie
doppelt so dick wären, woraus sich die kurze Umtriebszeit dieser Niederwälder erklärt.
Doch ergibt sich bei genauer Erhebung der einschlägigen Verhältnisse, daß ein höheres
Benützungsalter im Interesse des Waldbesitzers liegt, da der durchschnittliche Zuwachs im
Alter von zehn bis zwölf Jahren am größten ist und stärkeres Holz in Triest verwerthet
werden kann, wenngleich der Verkauf nach Venedig wegen der in Gold erfolgenden
Zahlung den Waldbesitzern vortheilhafter scheint.
In der allgemeinen Waldordnung vom 4. Jänner 1475 hatte die Republik Venedig
die Umtriebszeit für das Unterholz in den damaligen Mittelwäldern Istriens auf 12 Jahre
bestimmt, jedoch in der Waldordnung vom 10. December 1778 auf 8 Jahre herabgesetzt.
Da das aus Weißbuchen und anderen Sträuchern gewonnene Holz bianca)
um 40 Procent tiefer im Preise steht als Eichenholz, dabei aber ein doppelt so hohes
Benützungsalter erfordert, so ist dessen Verkauf kaum lohnend und wird dasselbe deßhalb
häufig nur zum eigenen Bedarf verwendet, welcher übrigens größtentheils durch die
Abfälle des landwirthschaftlichen Betriebes (Weinreben, Oliven- und Maulbeerzweige)
gedeckt wird. Ehemals wurden in Istrien viele Eichenstämme als Oberholz übergehalten,
um zum Schiffbau verwendet zu werden; seitdem aber die Schiffswerften Istriens wegen
der geringen Rentabilität der Segelschiffe verödet sind und die Kriegs- und Handelsdampfer
aus Eisen hergestellt werden, hat auch diese Verwendung des Eichenholzes
nahezu gänzlich aufgehört und wird die Brennholzgewinnung bevorzugt, welche dem
Grundbesitzer in Hinblick auf den sehr schwankenden Ertrag der Landwirthschaft eine
regelmäßig eingehende Rente sichert und ihm auch die Möglichkeit der Aufnahme von
Anlehen auf Rechnung der zu gewärtigenden Holzernte gibt. Ans diesem Grunde ist
der Werth eines gut bestockten Eichenniederwaldes jenem eines Ackers mittlerer Güte
gleichgestellt und werden die Schlagflächen sorgfältig vor dem Vieheintrieb behütet, bis
der junge Nachwuchs eine genügende Höhe erreicht hat.
Die eben geschilderten Verhältnisse herrschen jedoch nur in den von der Küste nicht
allzu entfernten Gegenden vor, während in den entlegenen Theilen der Bezirke Mitterburg
(Pisino), Albona und Pingnente sich der Transport des Brennholzes zur Küste nicht lohnt.
Deßhalb wird dem Walde dort auch nicht jene Sorgfalt zugewendet und werden die
Waldgründe, wo es nur möglich ist, behufs Anlage von Weingärten gerodet. Da der
Untergrund in diesen Orten ein sehr brüchiger Mergel-, theilweise Thonschiefer ist und die
Böschungen des Terrains meist ziemlich steil sind, so wird das fruchtbare Erdreich von
den Regengüssen in kurzer Zeit abgeschwemmt und bilden sich Runsen, durch welche