364
der römischen Eroberung einen so lange dauernden und so kräftigen Widerstand entgegen
setzen konnten, und wenn man noch zur Zeit des Plinius — also ungefähr 200 Jahre
später — vier Volksstämme daselbst anfzühlen konnte, welche eigene Namen und Sitten
hatten, also noch nicht ganz romanisirt waren, eine Zähigkeit des nationalen Lebens, welche
schwer zu erklären ist, wenn man nicht die Mitwirkung von Gebräuchen und Überlieferungen
vvraussetzt, die sich an die Bebauung des Bodens knüpften. Den Höhepunkt seines Glanzes
erreichte derselbe in dem langen Zeitraum, in welchem die Römer die in strategischer und
volkswirthschaftlicher Hinsicht wichtigsten Küstenpnnkte mit Militär- und Civilcolonien
bedeckten, von dem Meeresufer bis an die zerklüfteten Hochebenen der jütischen Alpen
hinaufzogen und diese Küsten zur Lieblingssommerfrische mächtiger Geschlechter wurden.
Die Lobsprüche, die Plinius dem istrischen Öl spendet, zeugen für eine große Ausdehnung
von Olivenpflanzungen und für eine rationelle Art der Ölgewinnnng. Die Überreste einer
großen Olivenwaldung, welche im Centrum der Halbinsel und auf den westlichen Hängen
der Berge Vena und Caldera noch vorhanden sind, stammen jedenfalls aus einer weit
entfernten Zeit. Auch der von Plinius gepriesene Trebbianer reist noch immer seine goldenen
Trauben auf den Gelünden des Monte Maggiore. Als bezeichnendstes Denkmal des
römischen Ackerbaues hat sich hier der Pflug erhalten, welcher Mang olino genannt wird
und mit demjenigen übereinstimmt, der die Felder des Tiberthals durchfurcht und in
Perugia und Foligno unter dem Namen Perticara bekannt ist. Es ist dies der istrische
Pflug ohne Räder mit langer Deichsel für zwei Stiere. Auf den romanischen Äckern bei
Pola und Parenzo wird kein anderer Pflug benützt. Ein zweiter römischer Typus mit
zweischneidiger Pflugschar und folglich auch mit zwei Rüstern ist jetzt in Istrien nicht
mehr im Gebrauch; kürzlich wurde, ein Nieter tief unter einem alten Eichenstrnnk, auf
der römischen Straße nach Rovigno, unweit von derjenigen zwischen Triest und Pola,
eine solche eiserne Pflugschar gefunden, welche imlstitulo a^raiio provinoiale in Parenzo
anfbewahrt wird. Zwei andere ähnliche Pflugschare, welche in den Gebieten von Abrega
und Montona gefunden wurden, find im Besitz des provinzialen historischen Museums.
Der Pflug mit Rädern, in Istrien Piovina genannt, wird nur zum Ackern von hartem
Boden gebraucht, wozu vier bis sechs Zugstiere nöthig sind. Er ist mit dem Radpflug des
oberen Etschthals identisch, welchen schon Plinius erwähnt, indem er ihm eeltischen
Ursprung zuschreibt und die Rhäter als seine Erfinder bezeichnet. Die Glanzzeit des
Ackerbaues in Istrien dauerte noch lange, auch nach dem Sturz des römischen Reiches,
da die Einfülle der Barbaren diese Halbinsel, welche abseits von den großen Straßenzügen
lag. nicht berührten. Cassiodorius, der Minister des Theodorich, preist noch den blühenden
Zustand des istrischen Landbanes, und auch die Gründung zahlreicher Benedietinerklöster
in allen Theilen Istriens vor dem Jahre 1000 weist auf die Verbreitung rationeller