Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Das Küstenland (Görz, Gradiska, Triest und Istrien)

Karl  des  Großen  gerechnet  wurde,  dem  damaligen  Bischof  Johannes  Triest  sammt
einem  Bezirke  von  22'7  Kilometern  im  Umkreise,  dem  allerdings  kleinen  Überreste  des
einstigen  Colonialgebietes.
Gewaltig  herrschte  der  Bischof,  der  nunmehr  die  weltlichen  mit  den  geistlichen
Befugnissen  vereinigte,  in  der  Stadt.  Und  über  drei  Jahrhunderte  dauerte  es,  bis  die
Gemeinde  unter  Benützung  der  Geldverlegenheiten  ihrer  Gebieter  im  Stande  war,  allmälig
diese  Bande  zu  lösen.  Mit  dem  letzten  derartigen  Abtretungsverträge,  in  dem  Bischof
Brissa  di  Toppo  (1295)  unter  Zustimmung  des  Patriarchen  für  200  Mark  Denare
auch  auf  das  Amt  des  Gastalden  und  die  Regalien  verzichtete,  hatte  die  Gemeinde  im
Wesentlichen  ihre  Selbständigkeit  erlangt.
Es  ist  bezeichnend,  daß  aus  der  unmittelbar  nachfolgenden  Zeit  (1313  bis  1319)
das  erste  überlieferte  Stadtrecht  von  Triest  stammt.  Dieses  „Statut"  zeigt  uns  ebenso  wie
seine  späteren  Umarbeitungen,  daß  sich  unser  Gemeinwesen  in  ähnlicher  Weise  wie  die
benachbarten  Küstenorte  verwaltete:  mit  einem  aus  der  Fremde  geholten  Podestä  an  der
Spitze,  einem  großen  und  kleinen  Rathe  und  mit  verschiedenen  Beamten,  deren  Mehrheit
den  edlen  Familien  der  Stadt  entnommen  war.  Überhaupt  gewann  die  Verfassung  immer
mehr  einen  aristokratischen  Charakter.  Selbst  unter  den  Edlen  hatten  sich  schon  1246  dreizehn ­
  Familien  abgesondert  und  eine  Bruderschaft  gegründet,  die  jedem  Abkömmling  einer
anderen  Familie  den  Zutritt  streng  verschloß.
Zu  wiederholten  Malen  versuchten  die  Bischöfe,  die  verlorene  Gewalt  wieder  an  sich
zu  ziehen.  Gleich  dem  ersten  mißglückten  Unternehmen  (1313)  fiel  eine  der  angesehensten
Familien  der  Stadt,  die  bischöflich  gesinnten  Ranfo  zum  Opfer.  Auch  die  hartnäckigen
Bemühungen  Antonios  de  Negri  (1350  bis  1370),  der  zuerst  den  Titel  „Graf  von  Triest"
annahm,  führten  zu  keinem  Ergebniß.
Wenn  die  Bürger  auch  dieser  Versuche  sich  glücklich  erwehrten,  so  waren,  sie  doch
weit  davon  entfernt,  unabhängig  zu  sein.  Abgesehen  von  dem  schwankenden  Verhältniß
zu  den  Patriarchen  von  Aquileja,  die  seit  dem  Beginn  des  XIII.  Jahrhunderts  auch  des
Reiches  Markgrafen  in  Istrien  waren,  hatte  Triest  viel  drückendere  Beziehungen  zu  der
mächtigen  Seestadt  jenseits  des  Golfes  —  zu  Venedig.  Nach  dem  Verfall  der  römischen
Flottenstation  Aquileja  hatte  der  Lagunenstaat  allmälig  die  Reinhaltung  der  Adria  von
Piraten  übernommen,  forderte  dafür  aber  entsprechende  Leistungen  von  den  mitbetheiligten
Küstenorten.  Keine  Stadt  Istriens  setzte  diesem  Begehren  nachhaltigeren  Widerstand

entgegen,  keine  griff  deshalb  öfters  zum  Schwerte  als  Triest,  wenn  es  auch  bei  derartigen
Versuchen  häufig  unglücklich  war.

Am  schlimmsten  schien  es  1369  dem  von  Hungersnoth  heimgesuchten  Orte  zu  ergehen,

als  die  Venetianer  nach  elfmonatlicher  Belagerung  einzogen  und  zur  dauernden  Nieder-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.