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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

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stumpfen Spitze auffliegende Adler zeigten. Für den Act der Huldigung wurde ein großes 
Bretterhaus gezimmert, das einen, ganz mit Tannenreifig tapezirten Saal in seiner 
Mitte barg. Am 12. October 1777 war Czernowitz die Stätte einer erhebenden Feier. 
Das Land war vertreten durch die Repräsentanten aller seiner Corporationen. Die im 
Lande wohnenden Adeligen waren Persönlich geladen und erschienen; jedes Kloster war 
durch zwei Mönche, die Geistlichkeit eines jeden Bezirkes durch die Erzpriester und zwei 
Popen, jede Gemeinde durch zwei Abgeordnete vertreten. Nach dem festlichen Aufzuge 
fand um 9 Uhr Morgens im Hnldigungssaale die feierliche Eidesleistung statt. Der vom 
Kanzler Chereskul vorgelesene Huldignngseid wurde von allen Vertretern Wort für Wort 
laut und feierlich nachgesprochen. Endloser Jubel der Landesvertreter und des Volkes, 
Musik und Kanonendonner verkündeten weithin, daß die Bukowina den Eid der Treue 
geleistet. An die Huldigung reihte sich die kirchliche Feier in der Dreifaltigkeitskirche, 
wo der Radantzer Bischof Dositheu Chereskul, umgeben von zahlreichem Clerus pontisicirte. 
Um 3 Uhr begann das Festessen an 27 Tafeln mit je 26 Gedecken. Abends war dann 
großer Ball und beim Beginn der festlichen Stadtbeleuchtung, wobei der Platz vor der 
Behausung des kaiserlichen Commissärs im Lichte von 5000 Lampen erstrahlte, wurde 
ein großes Feuerwerk abgebrannt, das an und für sich den damaligen Stadtbewohnern 
eine bisher unbekannte Erscheinung aus der Fremde war. Die erste Feuerfront zeigte 
die Worte. „Vivat Vlarin. Illorosia, vivnt -losopllns II". Am Tage daraus — am 
13. October — wurden die kaiserlichen Truppen, die in der Stärke von 1697 Mann 
in Zelten außerhalb der Stadt lagerten, reichlich bewirthet. 
Sechs Monate nach diesem Feste — im April 1778 — schied Freiherr von Splenyi 
aus der Bukowina, indem er, seinem Wunsche gemäß, zur Operationsarmee berufen 
wurde, die eben damals im Aufmärsche gegen Preußen begriffen war. Der Erbe seines 
Amtes, seiner Geistesrichtung und seiner Reformgedanken war General Karl Freiherr 
von Enzenberg, der am 6. April 1778 die Function eines Administrators der 
Bukowina übernahm. 
Als Commandant des zweiten walachischen Grenzregimentes in Siebenbürgen, 
in welcher L-tellung er fast 15 Jahre bis zu seiner Berufung als Administrator der 
Bukowina verblieb, hatte Enzenberg nicht nur die Militärgewalt, sondern auch die 
Civilverwaltung des ganzen Grenzdistricts in seiner Hand gehabt und damit eine Schule 
der Entwicklung seines Sinnes für Politische Organisationen durchgemacht. Der Umstand, 
daß er mit der Verwaltung eines Gebietes betraut war, das zumeist von Rumänen 
bewohnt ist, also von einem Volke, dessen Stammesgenossen den größten Theil der 
Bevölkerung der Bukowina bildeten, machte ihn für die Erfüllung seines Berufes in dem 
neugewonnenen Kronlande besonders geeignet. Er kannte genau die Sitten und Gebräuche,
	        
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