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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

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leitung  des  griechisch-orientalischen  Consistoriums  gestellt  und  der  griechisch-orientalische
Religionsfond  wurde  in  höherem  Maße,  als  es  durch  die  Allerhöchste  Entschließung  vom
18.  December  1820  geschehen  war,  zur  Erhaltung  der  Volksschulen  herangezogen.  Und
dennoch  zählte  das  Land  im  Jahre  1850  nur  50  Volksschulen!
Gegenüber  dem  düsteren  Bilde,  das  uns  das  Volksschulwesen  bis  zum  Jahre  1850
bietet,  erscheint  die  Entwicklung  der  theologischen  Cultur  in  der  griechisch-orientalischen ­
  Kirche  als  wohlthuende  Lichtseite.  Für  diese  hat  der  geistliche  Regulirungsplan ­
  vom  29.  April  1786,  an  dessen  Zustandekommen  der  edelgeartete  Bischof  Dositheu,
der  Administrator  des  Landes  und  die  Centralregierung  gleich  rühmlichen  Antheil  haben,
eine  feste  und  glückliche  Grundlage  gebildet.  Darin  war  auch  für  die  Ausbildung  des
Clerus  Fürsorge  getroffen  und  die  Errichtung  einer  Clericalschule  angeordnet.  Treffend
ist  im  Eingänge  des  Regulirungsplanes  gesagt:  „Die  Fähigkeit  der  Clerisei,  ihre
Glaubensgenossen  in  den  Pflichten  der  Religion  zu  unterrichten,  setzt  ihre  selbsteigene
Bildung  voraus,  da  nichts  der  Religion  mehr  Glanz  verschafft  und  ihren  Lehren  einen
größeren  Nachdruck  gibt,  als  wenn  der  äußere  Wandel  derjenigen,  welche  an  dem  Altäre
stehen,  von  innerer  Überzeugung  einen  Beweis  ablegt."
Nach  längeren  Verhandlungen  wurde  diese  Clericalschule  im  Sommer  1786  in
Suczawa  eröffnet.  Die  einzige  Lehrkanzel,  die  man  zunächst  systemisirte,  wurde  dem
Klostervicar  aus  der  Bacser  Diöcese,  Daniel  Wlachowicz,  anvertraut,  den  der  Metropolit
von  Karlowitz  entsendet  hatte,  weil  im  Lande  selbst  keine  geeignete  Lehrkraft  hiefür
gesunden  werden  konnte.  Es  war  anfänglich  ungemein  schwer,  junge  Männer  für  diese
neue  Schule  zu  gewinnen.  Im  ersten  Jahre  waren  nur  sieben  Candidaten  eingeschrieben,
trotzdem  sich  der  Bischof  mit  allem  Eifer  für  eine  bessere  Frequenz  einsetzte.  Seiner  Thatkraft
  und  unermüdlichen  Sorge  war  es  zu  danken,  daß  die  Frequenz  allmälig  stieg  und
bereits  im  Jahre  1788  die  Zahl  der  jungen  Cleriker  sich  auf  33  belief.  Daraus  ergab  sich
die  erfreuliche  Nothwendigkeit,  neue  Lehrkräfte  an  die  Clericalschule  heranzuziehen.  Noch  im
Jahre  1788  erscheinen  an  der  Seite  Wlachowicz'  zwei  Hilfslehrer  und  die  ursprünglich
nur  einclassige  Priesterschule  wurde  im  Herbste  des  genannten  Jahres  in  eine  dreiclassige
umgestaltet.
Als  nach  dem  Tode  Dositheu's  (2.  Februar  1789)  Daniel  Wlachowicz,  der  erste
Lehrer  der  Priesterschule,  zum  Bischof  ernannt  wurde,  verlegte  er  die  Schule  nach  Czernowitz
  und  wies  ihr  eine  Heimstätte  in  der  bischöflichen  Residenz  an.  Die  Zahl  der  Schüler
in  der  jungen  Pflanzstätte  war  in  stetem  Wachsen  begriffen,  im  Jahre  1804  zählte  sie
bereits  141  Zöglinge.  Sie  war  ja  die  einzige  höhere  Lehranstalt  im  Lande  und  wurde
nicht  nur  von  Candidaten  des  Priesterstandes,  sondern  auch  von  anderen  lernbegierigen
Jünglingen  besucht.
            
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