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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

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daß  in  der  Neujahrsnacht  der  Himmel  sich  öffnet,  und  daß  die  Thiere  untereinander  über
die  Schicksale  der  Hausgenossen  während  des  kommenden  Jahres  sprechen;  daß  man
zwar  dies  alles  sehen  und  hören  könne,  doch  auch  während  des  Jahres  unbedingt  sterben
müsse,  wenn  man  diese  Neugierde  befriedigt  hat.  Am  Neujahrstage,  zeitlich  früh,  kommen
wieder  Colindatoren,  um  zu  säen  (eu  sornouLtul),  indem  sie  in  Reimen  die  Hausgenossen
beglückwünschen  (urea^n),  gegen  dieselben  Weizensamen  streuen  und  dafür  ein  kleines
Geldgeschenk,  einen  Kölnischen  oder  einen  Kuchen  (pILeiirtü)  erhalten.
Der  Tag  vor  Weihnachten  (ujuiurl  oruemnuiui)  und  jener  vor  dem  Jordanfeste
(ujrmul  dobotorm)  gelten  als  strenge  Fasttage.  Keiner  der  Hausgenossen  erdreistet  sich,
von  dem  mit  allerlei  Fastenspeisen  (unter  denen  Fisch,  Bohnen,  gedörrte  Zwetschken  und
gekochter  mit  Honig  eingemachter  Weizen  nicht  fehlen  dürfen)  vollbedeckten  Tische  vor
Mittag  etwas  zu  kosten,  nicht  einmal  die  kleinen  Kinder.  Davor  hüten  sich  besonders  die
Mädchen  und  Jünglinge,  weil  sie  glauben,  daß  hievon  nicht  nur  die  Gesundheit,  sondern
auch  die  Schönheit  des  oder  der  Zukünftigen  und  besonders  der  Wuchs  der  vollen,  runden
Augenbrauen  des-  oder  derselben  abhängen.  Zum  Festtische  setzt  sich  die  Familie  erst
gegen  Abend,  nachdem  früher  der  Dorfgeistliche,  der  am  Vorweihnachtstage  mit  dem  Bilde
der  Christi  Geburt  (eu  ieounn),  am  Vorjordanstage  aber  mit  dem  Handkrenze  (ou  eruesu)
und  mit  dem  Weihwasser  (eu  uglllusmu),  unter  Vorantritt  einer  großen  Knabenmenge,
die  fortwährend  «eliirulesu  iilriUoch«  schreien,  das  Haus  besucht  und  den  Tisch
eingesegnet  hat.  Der  Hausherr  empfängt  den  ankommenden  Priester  in  der  Regel  mit  einer
brennenden  Wachskerze.  Während  des  Absingens  der  üblichen  Hymnen  seitens  des  Priesters
küssen  die  Hausgenossen  das  heilige  Bild,  respective  das  Kreuz,  der  Priester  aber  besprengt
mit  Weihwasser  nicht  nur  sie,  sondern  auch  das  ganze  Haus,  segnet  den  Speisetisch  ein,
beglückwünscht  die  Hausgenossen,  erkundigt  sich  nach  dem  Befinden  derselben  und  kostet  ein
wenig  von  den  Speisen.
Wenn  die  Hausgenossen  sich  zu  Tische  setzen,  so  unterläßt  der  Hausherr  nicht,  am
Vorweihnachtstage  Bohnen  auszustreuen,  auf  daß  der  Viehstand  gedeihe,  und  am  Vorjordanstage ­
  einen  Löffel  Weizen  gegen  die  Zimmerdecke  zu  werfen,  auf  daß  der  Bienenstand
sich  mehre  und  reichlichen  Honig  sammle.  Klebt  nun  der  Weizen  oben  an,  so  wird  dies  als
eine  gute  Vorbedeutung  angesehen.  Als  Zeichen  eines  fruchtbaren  Jahres  gilt,  wenn  sich
an  diesen  Tagen  an  die  Zweige  der  Obstbäume  recht  viel  Reif  (ellickio)  ansetzt.
Das  Jordansfest  wird  besonders  feierlich  begangen.  Wer  nur  irgendwie  vom
Hause  abkommen  kann,  geht  in  die  Kirche,  um  die  heilige  Liturgie  anzuhören.  Von  da
geht  alles,  die  Kirchenprocession  an  der  Spitze,  an  ein  fließendes  Wasser  oder  zum
Dorfbrunnen;  nur  selten  wird  die  Wasserweihe  im  Kirchhofe  vorgenommen.  Die  Wasserweihe ­
  wird  unter  Poller-  oder  Pistolenschüssen  durch  dreimalige  Senkung  des  heiligen
            
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