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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

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einem Reichen alles gelingt, dient die Redensart: „Der Hahn legt ihm Eier und der Stier 
wirft ihm ein Kalb." Um anzudeuten, daß man Beschäftigung, Verdienst sucht, daß man 
seiner gewohnten Arbeit nachgeht und dergleichen, wird gesagt: „Die Henne schaut, damit 
sie etwas ausscharre." Schließlich heißt es über die Hartnäckigkeit der Weiber. „Leichter 
ist's von einer milchlosen Kuh Milch zu erhalten, als von einer Hexe die Wahrheit zu 
erfahren." Anknüpfend an die letztere Redensart mag bemerkt werden, daß es ähnlicher die 
Frauen herabsetzender Sprichwörter eine ganze Reihe gibt, und daß das Weib bei den 
Huzulen überhaupt nur eine sehr untergeordnete Stellung einnimmt. 
Die Viehzucht im Gebirge ist im Großen und Ganzen eine Nomadenwirthschaft. 
Der Auftrieb auf die Almen findet im Juni statt, wenn der Schnee geschmolzen ist. Die 
Armen übergeben ihre Viehstücke den Reicheren zur Obhut und Pflege; auch aus dem 
Hügellande führen ihnen die Landleute ihre Herden zu. Die Milchwirthschast aus den 
Almen wird nur von Männern betrieben. Von dem großen Schafhunde und dem Pferde 
begleitet, das die nöthigen Geräthe und den Sack mit Kukuruzmehl für die Kulescha 
(dicker Brei) auf dem Rücken führt, zieht der Senne unter den Glückwünschen der 
Seinen mit den Herden aus die Hochwiesen. Auch sein langes Alphorn, die Trembita, 
vergißt er nicht daheim; mit ihren langgezogenen Tönen pflegt er den seiner Alme sich 
nahenden Wanderer schon aus der Ferne zu begrüßen. Sobald die Hirten mit ihren Herden 
ans den Bergwiesen angelangt sind, wird zunächst das sogenannte lebendige ^euer 
angesacht. Zu diesem Zwecke wird ein Holzstück an einem Ende mit einem Spalt versehen 
und in denselben ein Zündschwamm geklemmt. Durch starkes Reiben an einem anderen 
Holze wird dann der Schwamm zum Glühen gebracht und mittels desselben das Feuer in 
der Sennhütte angezündet. Dasselbe darf bis znm Abtreiben der Herden nicht verlöschen; 
würde dieses geschehen, so sähe man darin ein böses Vorzeichen für den Besitzer der Alme. 
Über die Asche des Feuers treibt man aber die Viehstücke, um sie gegen böse Mächte und 
jeden Zauber zu schützen. Besonders viel hat das Vieh durch die „bösen Blicke" neidischer 
und schlechter Menschen zu leiden; um es dagegen zu schützen, bindet man, besonders den 
schönen Thieren, rothe Bänder um den Hals und an den Schweif. Ist sich ein Viehbesitzer 
oder ein Hirt bewußt, daß er einen „bösen Blick" habe, so ertheilt er einem seiner Haus 
genossen den Auftrag, ihn insgeheim Teufel oder Räuber zu schimpfen, sobald er sich dem 
Vieh nähere; dies soll die Wirkung des bösen Blickes aufheben. Viel Leid thun vor Allem 
aber die Hexen den Kühen an. Sie verstehen es auf mannigfaltige Weise fremden Kühen 
die Milch zu nehmen und sich dieselbe anzueignen. So führen die Hexen Beutel mit sich, 
in welchen sich die Milch von den Kühen ansammelt, welche sie mit ihrem bösen Blick 
behexen. Der Beutel wird sodann mit einer Zauberschnur Angebunden und bleibt zum 
Gebrauche der Hexe stets mit der Milch gefüllt, welche die verzauberten Kühe verloren.
	        
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