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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

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Oie Armenier. 
Ununterbrochene Einfälle räuberischer Völkerschaften in Armenien veranlaßten zahl 
reiche armenische Familien ihr hartbedrüngtes Vaterland zu verlassen und nach dem fernen 
Westen zu ziehen. So kamen viele Armenier auch nach der Bukowina, wo sie sich um das 
Jahr 1418 niederließen. Heute findet man sie überall im Laude zerstreut; in eompaeten 
Massen aber leben sie hauptsächlich in der Stadt Suczawa, wo sie seit altersher vier schöne 
Steinkirchen haben, dann im Marktflecken Gurahumora, wv sie vor einigen Jahren eine 
zierliche Mauerkirche entstehen ließen. 
Snczawa ist der Brennpunkt des gesummten kirchlich-nationalen Lebens der Buko 
wina Armenier. Hier haben dieselben einen zwölfglicdrigen von der National-Versammlung 
auf drei Jahre gewählten „Iroüu pui-lruliuir« genannten Cultnsrath. Dieser leitet durch den 
Präsidenten alle kirchlich-nationalen Angelegenheiten dcr Pfarrgemeinde, handhabt über die 
Priester und das sonstige Kirchen- und Schulpersonale das Diseiplinarrecht, schlägt der 
Gemeinde Priestercandidaten zur Wahl vor und empfiehlt den also Gewählten dein Bischöfe 
zur Answeihe. Einen eigenen Bischof haben übrigens die orientalischen Bukowiner Armenier 
nicht, da ihre Zahl heute schon auf 600 Seelen znsammengeschmolzen ist; sie unterstehen 
dank der großmüthigen Gnade des unvergeßlichen Kaisers Josef II. in spiriluullkus dem 
armenischen Patriarchen vonConstantinopel und mit diesem demKatholikos vvnEtschmiadzin, 
eine Begünstigung, die in unserem lieben Vaterlaude Österreich ohne Beispiel ist. 
Die 900 mit der katholischen Kirche unirten Armenier der Bukowina besitzen in 
Czernowitz eine schone den Apostelfürsten Petrus und Paulus gewidmete Mauerkirchc und 
unterstehen in religiösen Angelegenheiten dem Czernowitzer Pfarrer und Suczawer 
Administrator und mit diesen dem armenisch-katholischen Erzbischöfe in Lemberg. 
Diese Armenier haben größtentheils ihren ursprünglichen Typus eingebüßt, die 
nationalen Sitten und Gebräuche uud ihre Muttersprache vergessen und die polnische als 
solche angenommen. Sie bilden eine separate Nation der sogenannten „Armeno-Polen" 
und nur ihre in armenischer Sprache gelesene Messe erinnert dieselben, daß sie eigentlich 
Armenier sind; doch ist die Zeit nicht mehr ferne, in der sie dein Polenthnme auch die 
armenische Messe opfern werden. 
Die gottesdienstliche und außerdienstliche Kleidung der armenisch-orientalischen 
Geistlichkeit ist der der Griechisch-Orientalen ähnlich, nur mit dem Unterschiede, daß ihre 
liturgisirenden Priester den das ist einen mit den zwölf Apvstelbildern versehenen 
Metallkragen anlegen, ihr Schuhwerk ausziehen und nur in Socken verbleiben. Ihre 
Priester und selbst die Diakonen tragen während der kirchlichen Functionen die Mitra, 
die sie auch bei Ablesung des Evangeliums nicht ablegen. Ihre Bischöfe aber haben die
	        
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