MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

396 
insoferne eine Änderung ein, als dieses Gebiet ans dein Verbände der allrussischen 
Territorien definitiv heraustrat, um mit den ostwärts angrenzenden Ländereien ein 
Bestandtheil des neuentstandenen moldauischen Reiches zu werden. So wichtig aber dieses 
Ereigniß in politischer und auch in anderen Beziehungen gewesen ist, auf die literarischen 
Verhältnisse des Landes hatte es vorläufig keinen Einfluß. Die Literatur bewegte sich, da 
auch die neuen Herren des Landes in Amt und Kirche, vorzugsweise aber in der letzteren, 
sich zunächst noch des Kirchenslavischen bedienten und auch ihrer ganzen Weltanschauung 
nach dem griechisch-slavischen Osten viel inniger, als dem römisch-germanischen Westen 
verbunden waren, nach wie vor in den hergebrachten Geleisen. Wenn irgend eine Änderung 
eintrat, so war es höchstens die, daß in Folge der numerischen Zunahme sowohl der 
Bevölkerung als auch der Klöster, die in jener Zeit noch die hauptsächlichsten Pflegestätten 
der Bildung und der literarischen Bethätigung waren, das Interesse für Schrift und Wissen 
sich seitdem viel intensiver gestaltete als früher. Und in der That, sehen wir uns in den 
noch erhaltenen Klosterbibliotheken etwas genauer um und gehen wir überdies den Resten 
anderer Bukowiner Klosterbibliotheken, denen wir theils in der Bukowina selbst, theils aber 
in Lemberg, Przemyäl und Wien, auch an anderen Orten begegnen, nach, so werden wir 
finden, daß obige Behauptung durchaus begründet ist. Auch heute noch sind unter diesen 
zerstreuten und nunmehr stark zusammengeschrumpften Resten eines einst sehr beträchtlichen 
Bücherschatzes außer zahlreichen liturgischenBüchern dieSchriften fast allerhervorragenderen 
orientalischen Kirchenväter zu finden; ferner die in jener Zeit gangbaren kirchenrechtlichen 
Compilationen, Erzählungen aller Art, und zwar sowohl die kirchlich zulässigen, als auch 
die apokryphen, Erzeugnisse der älteren Polemischen Literatur, historische, geographische und 
naturwissenschaftliche Artikel,Fragen und Antworten,Wahrsagebücher und dergleichen mehr. 
Mit einem Worte, wie in den übrigen Ländern des griechisch-slavischen Ostens, so waren 
auch hier die hauptsächlichsten Erzeugnisse der damaligen byzantinischen Literatur wohl 
bekannt und in zahlreichen kirchenslavischen oder auch griechischen Abschriften verbreitet. 
Doch nicht allein das, was die ältere byzantinische Literatur erzeugte und südslavische 
Übersetzer ins Kirchenslavische übertrugen, fand Aufnahme und Verbreitung in der heutigen 
Bukowina, es gilt dies in gleicher Weise auch von den selbständigen Werken der 
bedeutenderen südslavischen Schriftsteller. So sind beispielsweise selbst noch unter den 
soeben erwähnten Bücherresten sowohl einzelne Schriften des bulgarischen Patriarchen 
Euthymius (1375 bis 1393) als auch solche des Gregorius Tzamblak (starb als Erz 
bischof von Rußland 1419) vorhanden, und wird die vom Letzteren verfaßte Lebens 
geschichte des heiligen Johannes Novi, dessen Gebeine nunmehr endgiltig in Suczawa 
ruhen, in der Bukowina auch gegenwärtig vervielfältigt und gelesen. Übrigens ist auch das 
in der Lemberger Universitätsbibliothek vorhandene Exemplar der Lebensgeschichten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.