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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

im Lande besitzen, im Jahre 1868 endlich einen literarischen Verein, die noch heute 
bestehende Husku Lesicla, gründen konnten. 
Während aber die schriftstellerische Thätigkeit der Bukowiner Ruthenen noch in den 
alten Traditionen befangen war, hatte sich in der Literatur der galizischen Ruthenen unter 
dem Einflüsse vornehmlich der polnischen und der südrussischen oder ukrainischen Reflexe 
der im Westen Europas auftauchenden nationalen, Politischen und socialen Bewegungen 
bereits zu Beginn der Dreißiger-Jahre eine Wendung vollzogen, als deren hervor 
stechendstes Merkmal die Bevorzugung des Volksthümlichen in Sprache und Inhalt 
angesehen werden darf. Durch Vermittlung einzelner galizischer Ruthenen, die in der 
Bukowina theils als Lehrer, theils als Beamte wirkten, wurde diese neue, mehr dem Volks 
thümlichen zugekehrte und seit den Ereignissen des Jahres 1848 bedeutend erstarkte Literatur 
nach und nach auch bei den Bukowiner Ruthenen eingebürgert. Die alte Tradition Pflanzte 
sich zwar gewohnheitsmäßig noch eine Zeitlang fort, aber sie war für die Dauer nicht zu 
halten und verschwand schließlich ganz. Und mögen die bukowinisch-ruthenischen Schrift 
steller, ähnlich wie ihre galizischen Genossen, in gewissen Einzelheiten, wie beispielsweise in 
der orthographischen Frage oder in der Frage nach dem Verhältnisse des Kleinrussischen 
zu den übrigen Varietäten des russischen Sprachstammes, noch so sehr auseinandergehen, 
in dem einen Punkte sind sie gegenwärtig alle einig, daß die Aufgabe der Literatur nicht 
in der Recapitulation alter, durch die kulturellen Fortschritte längst abgethaner Motive 
besteht, sondern daß es ihre Aufgabe ist, den Interessen und Bedürfnissen des wirklichen 
Lebens künstlerischen Ausdruck zu leihen. 
Zu den bukowinisch-ruthenischen Schriftstellern, die sich in den Dienst dieser 
neuen, mehr dem Volksthümlichen zugekehrten Richtung stellten, gehört in erster Reihe 
OsiP Fedkowicz (1834 bis 1888). Obschon ihm in seiner Jugend nur eine sehr mangel 
hafte, über die elementaren Kenntnisse kaum hinausgehende Bildung zu Theil wurde, 
hatte er sich im Verkehre mit dem Maler Rudolph Rothkähl, mit dem er zu Beginn der 
Fünfziger-Jahre im Städtchen Neamtz in der Moldau zusammentraf, sowie im Verkehre 
mit seinem militärischen Vorgesetzten, dem gebildeten und humanen Hauptmann Appel, 
die deutsche Sprache sowohl als auch die neuere deutsche Literatur in einer Weise ange 
eignet, daß er im Stande war, auch selbst ganz nette deutsche Gedichte zu verfassen. Doch 
nicht auf dem Gebiete der deutschen Literatur war er berufen, zu Namen und Bedeutung 
zu gelangen. Als er im Jahre 1859 nach Beendigung des italienischen Feldzuges nach 
Czernowitz kam und gerade daran war, in Folge einer ihm von E. R. Neubauer gewordenen 
Aufforderung sich an eine deutsche Übersetzung der ruthenischen Volkslieder zu machen, 
wurde er mit zweien hier zufällig weilenden jungen galizischen Schriftstellern, Anton 
Kobylanski und Constantin Horbal, bekannt, die ihn bestimmten, seine Fähigkeiten 
Bukowina. 26
	        
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