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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

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heiten mehr Interesse haben als seelische Conflicte und Complicationen, ist Worobkiewicz 
auf dem Gebiete der poetischen Bearbeitung epischer Stoffe legendären und historischen 
Inhaltes besser als anderswo zu Hause, deren künstlerische Wirkung höchstens durch seine 
Vorliebe für wortreiche und pathetische Reflexionen beeinträchtigend. Nicht so günstig, wie 
über die erzählenden Gedichte im engeren Sinne (Balladen, historische Gesänge u. s. w.), 
kann unser Urtheil über Dichtungen lauten, die, wie beispielsweise Kleopatra, Kaiser Nero 
und Iwan der Schreckliche, einen ungleich größeren Umfang haben und von Worobkiewicz 
mit der Absicht verfaßt wurden, der ruthenischen Literatur förmliche Epen zu schenken. 
Denn, so löblich auch die Absicht ist, so sind doch Anlage und Durchführung trotz hübscher 
Einzelheiten, unter denen die ruhige Bildkraft des Wortes und die plastische Anschaulichkeit 
der Beschreibungen nicht den letzten Platz einnehmen, nicht von solcher Art, daß man 
diesen Dichtungen einen höheren literarischen Werth zusprechen könnte. Unter den Erzäh 
lungen in Prosa ragen nur die „Makowejka" und allenfalls noch die „Nonne Ksenia" 
als solche hervor, die den besseren Fed'kowicz'schen Erzählungen ebenbürtig an die Seite 
gestellt werden können; die übrigen sind von nur mäßigem Belange. Dramen, die bis jetzt 
nicht gedruckt vorliegen, sind ans den Aufführungen im Theater bekannt. Zu ihren Gunsten 
spricht vor Allem, daß sie früher sehr oft gespielt wurden und auch heute noch vom Reper 
toire der ruthenischen Nationalbühne nicht ganz abgesetzt erscheinen. Mit anderen Worten 
bedeutet dies, daß sie zu der Zeit, da sie geschrieben wurden, eine vorhandene Lücke 
ausfüllten, eine solche zum Theile auch gegenwärtig ausfüllen und schon aus dem Grunde 
verdienen, daß ihnen in der Geschichte des ruthenischen Schauspiels eine gewisse Bedeutung 
zuerkannt werde. Auch ist die Schilderung der Personen und Situationen in diesen Dramen 
gut und vorwurfsfrei und braucht Worobkiewicz nach dieser Seite hin den Vergleich mit 
anderen kleinrussischen Dramatikern nicht zu scheuen. Freilich der gedankliche Inhalt ist, 
ungeachtet Worobkiewicz in einigen seinerDramen, wie zumBeispiel in der „Bidna Marta" 
oder im „Hnat Prybtuda", auch das sociale Problem zu streifen versucht, eher arm als 
reich zu nennen, und was die Technik betrifft, so muß gesagt werden, daß denselben mindestens 
in der Form, in der sie uns augenblicklich vorliegen, das wesentlichste Merkmal eines 
wirksamen Bühnenstückes, nämlich eine dramatisch bewegte Handlung und ein bedeutungs 
voller, in seinen Motiven klar erfaßter und folgerichtig durchgeführter dramatischer 
Couflict fehlt. 
Außer Fed'kowicz und Isidor Worobkiewicz, als den beiden hervorragendsten 
Vertretern der ruthenischen Literatur in der Bukowina, haben sich an deren Förderung 
auch noch etliche andere Bukowiner Rutheneu betheiligt, leider jedoch ohne erheblicheren 
Erfolg. Denn, so achtungswerth ihre Bemühungen von einem anderen Standpunkte aus 
sein mögen, vom Standpunkte der Aufgaben, die die schöne Literatur zu lösen hat, sind
	        
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