Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

38

der  Suhardzel-  und  der  Luczinakette  in  Reih  und  Glied  stellen.  Wahrhaft  entzückend  ist
dieser  Anblick  bei  wolkenlosem  heiteren  Himmel!  Theils  steil,  theils  allmälig  steigen  diese
Bergkolosse  aus  der  Thalsohle;  wo  sie  es  vermögen,  dort  gewähren  sie  Hütten  und  Häusern
einigen  Raum,  ja  sogar  hie  und  da  einem  dürftigen  Obstgarten,  der  hinter  dem  Hause  steht.
Aber  dann  schwellen  sie  rasch  an,  und  erheben  sich,  durch  Wasserstürze  vielfach  zerrissen,
zu  stattlichen  Höhen.  Von  einer  wirklichen  Bewaldung  kann  keine  Rede  sein;  die  Seiten
sind  kahl  und  felsig,  blos  hie  und  da  zieht  sich  eine  Baumgruppe  kettenartig  durch  eine
Abhangsrinne.  So  ist  die  Ansicht  auf  der  ganzen  Linie.  Die  Vorderreihe,  die  der
Ouszor  (1642  Meter),  der  Bernarel  (1324  Meter),  die  Gura  Pleile  (1546  Meter)  u.  a.
bilden,  gleicht  einer  riesigen  Burgmauer,  aus  welcher  die  Kuppen  wie  gewaltige  Thürme
hervorragen.  Hinter  diesen  Thürmen  erheben  sich  die  Spitzen  anderer  rückwärts  stehender
Berge,  bald  höher,  bald  minder  hoch.  So  der  Suhardzel  (1709  Meter),  die  Butja
Armanului  (1565  Meter)  re.  Zu  diesen  Bergmassen,  die  ein  mächtiges  Kalklager  bilden,  mit
dem  sich  der  Glimmerschiefer,  der  Gneis  und  die  Hornblende  vereinigen,  gesellen  sich  noch
zahlreiche  Erhebungen  der  siebenbürgischen  Randgebirge,  so  der  Runen  Dunczrilor  (1632
Meter)  in  Siebenbürgen,  der  Wulwii  (1595  Meter)  u.  a.  Jmponirend  ist  indessen  die  Gestalt
des  Ouszor,  der  schon  von  Siebenbürgen  aus  gleich  einer  mächtigey  Säule  über  alle  seine
Collegen  hervorragt.  Seiner  glücklichen  Situation  wegen  verdunkelt  er  bei  Weitem  selbst
den  Dzumaleu,  welchen  man,  weil  mächtige  Berge  ihn  umstehen,  erst  aus  der  Gegend  von
Pojana  Stampi  wahrzunehmen  vermag.  Wer  schließlich  der  Ouszorspitze  einen  kurzen
Besuch  macht,  der  von  Dorna  aus  innerhalb  vier  Stunden  ausgeführt  werden  kann,  der
wird  den  beschwerlichen  Aufstieg  theils  über,  theils  zwischen  den  mannigfaltigsten  Felsengruppen ­
  gewiß  lohnend  finden.
Von  Dorna  und  Jakobeny  führt  eine  der  herrlichsten  Chausseen  der  Monarchie
aufwärts  nach  Kirlibaba.  Eingeengt  durch  mächtige  Schiefer-  und  Kalkselsen,  von
welchen  einer  menschliche  Gesichtsformen  zeigt,  in  welchen  die  Volksphantasie  die  Züge  der
Kaiserin  Maria  Theresia  erkennen  will,  strömt  die  Goldene  Bistritza  am  Kosakenwald
und  an  der  Fruntea  (1350  Meter)  vorbei,  in  deren  Seitenthälern  man  die  traurigen
Zeichen  ehemaliger  Mißwirtschaft  erblickt,  nämlich  weite  Strecken  gefällter,  faulender
Waldungen.  Das  Thal  der  Goldenen  Bistritza  ist  hoch  gelegen,  denn  beim  Eintritte  aus
Siebenbürgen  in  die  Bukowina  liegt  ihr  Bett  dort,  wo  sie  sich  mit  dem  Grenzfluß  Cibo
vereinigt,  960  Meter  über  dem  Meere;  ihr  Gefall  beträgt  Per  Kilometer  durchschnittlich
vier  Meter.  Aus  den  erzreichen  siebenbürgischen  Berggegenden  wird  ihr  durch  zahlreiche
Zuflüsse  häufig  Gold  zngeführt,  das  in  früheren  Jahren  von  Zigeunern  herausgewaschen
wurde.  Daher  rührt  ihr  sonderbarer  Name,  der  ihr  bis  auf  den  heutigen  Tag  geblieben.
Kirlibaba,  das  freundliche  Dorf  und  ehemalige  Silber-  und  Bleibergwerk  der  Bukowina,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.