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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

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Um die Mitte des I. Jahrhunderts v. CH. beherrschte der gewaltige Boirebista die 
Daker. Sein Reich erstreckte sich westwärts bis an die mittlere Donau, ostwärts bis zum 
Dniestr und bis zur Dniepermündung, südwärts über die Donau bis tief in das thrakische 
und illyrische Gebiet hinein. Ein Heer von 200.000 Mann sollen die Daker unter 
Boirebista aufzustellen vermocht haben. Gegen den drohenden Nachbar dachte schon Cäsar 
ins Feld zu ziehen, als sein Tod den Plan vereitelte. Nachdem unter Augustus die Donau 
die Grenze des römischen Reiches geworden war, hörten die Feindseligkeiten zwischen Dakern 
und Römern nicht auf, bis Trajan in zwei Feldzügen (101 bis 103 und 105 bis 107) die 
Daker und ihren König Decebalus nach tapferstem Widerstande bezwang und Dacien 
zur römischen Provinz machte. 
Die Grenzen der römischen Provinz Dacien bezeichnet der Geograph Ptolemaeus 
(um 150) im Süden durch die Donau, im Westen durch die Theiß, im Norden durch die 
Karpathen und den Dniestr bis zu seiner entschiedenen Wendung nach Süden, im Osten 
durch den Pruth nebst einer Linie bis zur Dniestrwendung; das übrige dakische Gebiet, 
im Osten des Pruth bis zur Dniepermündung gehörte administrativ zu Niedermoesien. 
Demnach umfaßte das römische Dacien auch die heutige Bukowina, an deren Nord- 
grenze auch Reste eines römischen Grenzwalles im Norden des Dniestr gefunden wurden. 
Effectiv hat sich aber die Römerherrschaft nur unbedeutend auf diesen Landstrich erstreckt, 
ebenso wie auf den übrigen Theil des östlichen Hinterkarpathenlandes. Wenigstens fehlt 
es an sicheren Beweisen römischer Ansiedlung in diesen Gegenden, außer zeitweilig 
vorgeschobenen Militürposten, den einzigen Vertretern römischen Wesens in den östlichen 
Gefilden Daciens. Die topographische Nomenclatur ist in diesem Theile der Provinz unter 
der römischen Herrschaft lediglich dakisch. und wohl blieb auch die Bevölkerung eine solche. 
Jene großartige Colonisation mit „unermeßlichen Scharen aus der ganzen römischen 
Welt", die Trajan nach Dacien verpflanzte, damit den Grund zu dem heutigen 
rumänischen Volksthume legend, beschränkte sich auf das Kernland Siebenbürgen, das 
Temeszcr Banat und die westliche Walachei, allwo auch ein intensives römisches Cultur- 
leben erblühte, von dem die zahlreichen daselbst aufgefundenen Inschriften und andere 
Denkmäler beredtes Zeugnis geben. In den übrigen ^heilen dev Landes fuhren die 
Daker fort, unter römischer Herrschaft ihr eigenartiges Dasein zu führen. An der Nord 
grenze saßen noch freie dakische Stämme, mit denen man von Zeit zu Zeit Händel hatte 
und die sich dann den anstürmenden Gothen anschlossen. 
In den Wirren unter Gallienus (260 bis 268), der sogenannten Zeit der dreißig 
Tyrannen, gieng Dacien dem römischenReiche verloren. Aurelianns (270 bis 275) mußte 
auf die Wiederherstellung der Provinz verzichten; er zog die hier sich noch haltenden 
Truppen heraus und gab den vertriebenen oder zur Auswanderung geneigten Provincialen
	        
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