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Gegen die Überzeugung des Ministers Thngut und des Höchstkommandirenden Erzherzogs
Karl wurden jedoch die Anerbietungen Bonapartes angenommen, zunächst ein Waffen
stillstand auf sechs Tage geschlossen, dann Konferenzen im Kloster Göß abgehaltcn und
endlich ein istiäliminarsriede am 18. April im Gartenhause der Herren von Eggenwald in
Leoben unterzeichnet. Die Franzosen waren inzwischen an die vereinbarte Demarcations-
linie, welche auf steirischem Boden Windisch-Feistritz, Marburg, Graz, Bruck, Leoben,
Trofaiach, Nottenmann und Jrdning berührte und von dort nach Radstadt fortgesetzt
wurde, vorgerückt und hatten die Landeshauptstadt besetzt, in welcher eiire provisorische
Landescommission nach Abzug aller kaiserlichen Behörden die Leitung der nothwendigen
Geschäfte übernommen hatte. Napoleon selbst hielt sich zwei Tage in Graz auf und ließ durch
seinen Generaladjutanten Bcaumont die im Landhause versammelte Landescommrssion,
als deren Sprecher der Fürstbischof von Seckan, Graf Areo, auftrat, zur Ablegung des
ltntrNveifnngseides auffordern. Als die Commission diese Znmnthnng mit dem Hinweise
ans den Eid, den sie ihrem rechtmäßigen Landesherrn geleistet, entschieden znrückwies, wurde
sie aufgelöst. Stadt und Land hatten nunmehr bis zum Abzüge des französischen Heeres,
welcher Anfang» Mai beendet war, durch unmäßige Requisitionen und Cvntributionen zu
leiden, die entschlossene Haltung der Bürgerschaft von Graz und Leoben, ihre Umsicht und
Genauigkeit in der Herbeischaffnng der nothwendigen Lebensmittel verhinderte jedoch
ernste Confliete, welche sonst bei der erregten Stimmung der Landbevölkerung kaum zu
vermeiden gewesen wären.
In: März 1799 marschirte Suworvff mit 28.000 Russen durch Obersteiermark nach
Italien, der Krieg des darauffolgenden Jahres öffnete den Franzosen abermals den Weg
nach Steiermark. Diesmal kamen sie von Norden. General Montrichard vom Corps
Leeonrbe, welches den rechten Flügel der deutschen Armee unter Moreau bildete, rückte
von Salzburg bis Leoben vor, welches erst am 19. März 1801 nach Abschluß des
Friedens von Lnneville geräumt wurde. Im November 1805 fielen Davoust, der den
Glasen Merveldt von Maria-Zell über den Seeberg nach Seewiesen zurückwarf, und
Marmont m Steiermark ein und hielten die Hauptstadt durch sieben Wochen besetzt. Der
Feldzug des Jahres 1809 aber führte zu ziemlich wichtigen militärischen Operationen im
Lande und zu der sehr bekannt gewordenen ersten und letzten Belagerung der Festung auf
dein Grazer Schloßberge. Nach dem Rückzuge der Siidarmee unter Erzherzog Johann
besetzte der Bicekönig von Italien Engen Beauharnais Kärnten, um von dort aus einerseits
dem Kaiser Napoleon bei Wien und anderseits dem von Süden aninarschirenden Marmont
die Hand zu reichen. Erzherzog Johann setzte — nachdem Villach verloren und der Befehl,
sich »nt dem Corps Kolowrat bei Linz zu vereinigen, zu spät gekommen war — den
Rückzug von Klagenfnrt über Mahrenberg und den Radl nach Graz fort. Er hatte den