16Ö
Marksteine den Namen des angrenzenden Besitzers und versetzt ihm hierauf eine derbe
Maulschelle, auf daß er sich die Grenze ja gut merke und sie künftig nicht verrücke, um
etwa auf solch unrechtmäßige Weise sein Besitzthnm zu vergrößern und sich zu bereichern.
Auch unterläßt es dabei der Bauer nicht, seinem Sohne den alten, in der strengen Nechts-
anschauung des Volkes begründeten, tief eingewurzelten Glauben einznprägen, daß, wer
einen Grenzstein verrückt, nach seinem Tode so lange keine Ruhe im Grabe finden kann
und als ruheloser Geist in Gestalt eines kopflosen oder feurigen Mannes, als ein
sogenanntes „Fuchtelmännchen" nächtlicher Weile herumgespenstern muß, bis der Stein
wieder auf seinen rechtmäßigen Platz gesetzt wird.
In allen diesen Äußerungen des Volksglaubens liegt ein tiefer ethischer Sinn,
spiegelt sich die Gemüths- und Gedankenwelt des Volkes. Mehr noch aber gilt dies von
den an die kirchlichen Feste sich knüpfenden sinnigen Gebräuchen und Sitten, alther-
stammenden Meinungen und Sagen; da zeigt sich uns das Volksleben so recht in seiner
schlichten geistigen Blüte, in seinen, Reichthum an auffallenden Erscheinungen und
interessanten Zügen.
Da ist vor Allem das Weihnachtsfest, die hehre Feier der Geburt Christi. Ein
geleitet wird der Weihnachtscyklus durch den Advent, zu welcher Zeit es im Oberlande
vielfach gebräuchlich ist, Bildwerke der heiligen Maria und des heiligen Josef von Haus
zu Haus zu tragen, dabei zu beten und wahrend der Nacht ein brennendes Lämpchen
davor zu stellen.
Die Thomas-, Christ-, Sylvester- und Dreikönigsnacht sind „Lößlnächte", letztere
drei auch „Rauchnächte" genannt. Von den zahlreichen Lößlarten sei hier nur das am
Mnrboden geübte „Hackbruckeuschan'n" erwähnt. Die „Hackbrucken" ist ein der Länge
nach dnrchsügter Holzhackstock, mit der runden Seite nach abwärts und auf vier Füßen
ruhend, und dient als Unterlage beim Hacken von Fleisch und dergleichen; auf der oberen
ebenen Flüche nun kann man in der Christnacht zwischen dem ersten und letzten Schlage
der zwölften Stunde die Zukunft im flüchtigen Bilde schauen. Überhaupt übt die Christnacht
ihren geheimnißvollen Zauber auf jedermann aus; man kann da die Thiere reden hören, in
der „Metten" die Hexen erkennen, Schütze heben, den Teufel beschwören u. s. w. Zahlreich
sind die Sagen, die darüber im Munde des Volkes leben, so die vom „goldenen Kalbe"
auf dem Lauskogel bei Eisenerz, vom „Kind in, Gansstein" u. s. w. Im Naabthale kennt
man eine besondere Art des Tenfelsbeschwörens, genannt das „Fornichsamborsen".
Am Stefanitage findet die kirchliche Weihe des Wassers und Salzes statt; beides
gilt als anerkanntes Präservativmittel gegen Hexerei und teuflische Künste. Besondere
wunderkräftige Wirkung besitzt auch der am darauffolgenden Tage geweihte „Johannis
wein". Im oberen Ennsthale ist an diesem Tage das „Schwartlingschneiden" üblich. Da