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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Steiermark

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Glas steht, darinnen ein Rosmarinzweig in frischem Wasser, in der anderen Hand hält 
er den Besitzbogen der „Gmoangriind", Pachtverträge und Steuerbücher. Gravitätisch und 
würdevoll stellt er sich vor den Tisch und hält dem „neuen" Richter, der ans dem Ehrenplatz 
in der Ecke unter dem Hausaltar sitzt, eine Anrede, ermahnt ihn zur Gerechtigkeit und 
Redlichkeit und übergibt ihm sodann den Teller sammt Glas und Inhalt und die Rechts 
urkunden. Während dieses Actes stehen alle aus, an der Hausthür aber erdröhnen drei 
mächtige Stöße; zwölf Buben stoßen an die Thür mit einem drei Meter langen, an beiden 
Seiten mit je sechs „Sprossen" oder Handhaben versehenen Stocke aus Tannenholz, dem 
Symbol der richterlichen Würde und Zeichen der Güterabtretung, wiederholen hierauf 
solches an den Thüren der übrigen Besitzer im Dorfe und zuletzt beim Hause des neuen 
Züchters, wo dann der Stock in den Hof hineingeworfen und daselbst für ein Jahr 
aufbewahrt wird. Die Mahlzeit aber nimmt inzwischen ihren ungestörten Fortgang. 
Der Fasching ist für den frohsinnigen, lebenslustigen Steirer die Zeit der Freude, 
eine Quelle heiterster Vergnügungen und Belustigungen. Der Faschingsonntag heißt in 
der östlichen Steiermark der „Burschensonntag" und der darauffolgende Tag der „foasti 
Montag"; im oberen Murthale wird er auch der „damische" Montag, gemeiniglich aber 
der „Froschmontag" genannt, weil, wenn an diesem Tage gesponnen wird, die Frösche 
den nächstfolgenden Flachsanbau abbeißen. Überhaupt soll an den letzten drei Fasching 
tagen so wenig als möglich gearbeitet werden, da sonst „das Rind damisch" wird; dafür 
aber wird recht fleißig getanzt, denn: 
„Wann die Bauern gern tanzen, so geits guati Jahr, 
Wird da Hoba schöan zottat und 's Korn schöan schwär." 
Schabernack, Mummenschanz und Maskenzüge sind in dieser Zeit sehr beliebt. Als 
stereotype Gestalten erscheinen z. B. in Aussee der „Fasching" und das „Faschingweibl" 
in ihren mit Gold- und Silberslitter bedeckten Eostümen; in den Seitenthülern der oberen 
Mnr ist das „Faschingrennen" üblich, wobei weißgekleidete Masken verschiedene 
tLchwenknngen und Schneckenwindungen, Possen und Scherzspiele aufführen, wie z. B. 
das Beschlagen eines Schimmels und dergleichen mehr. In der mittleren Steiermark kennt 
man die „psaschingpopperl"; da werden männliche und weibliche Strohsiguren auf einem 
an die Pflngdeichsel befestigten zweirädrigen Karren von maskirten Burschen durch das 
Dorf geführt, mitunter auch getragen. In St. Lorenzen am Wechsel, Nohrbach, Mönnich- 
kirchen ist dann und wann noch das „Gaborbetheltreiben", auch „Bethlastechen" genannt, 
üblich. Es wird aus einem freien Platze eine Stange aufgerichtet und an dieser ein Popanz, 
der „Gabor Bethel , angebunden, an dem nun die erwachsene Jugend im Gänsemarsch 
vvrbulänft und versucht, die Puppe mit Spießen von der Stange loszubringen; dieselbe
	        
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