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Selbst bei Neubauten sehen wir der Bequemlichkeit, aber noch in alter Auffassung
des Mehrbedarfes Rechnung getragen; so bei Lichteneck im Mürzthale, das etwa 1400
entstand und innerhalb eines Mauerviereckes mit Flankeuthürmcu ein Wohnviereck mit
tüchtigem Berchfriede anfwies, und Schachcnstein bei Aflenz, vom Abt Johann Schachner
von St. Lambrecht 1465 erbaut, welches auf enger Felskuppe sehr viel Wohnraum
zwischen Thürmen zeigte.
Wenn nun schon im XII. Jahrhundert, aber auf Bergen, sich die Zulässigkeit
einer festen Burg in Gestalt eines sogenannten „Hauses" durch manche Beispiele ergibt,
Tiesburg aus dem XIV. Jahrhundert: Feistritz bei Jlz.
so darf es nicht befremden, daß im späten Mittelalter, bei dessen Drang nach behaglichem
Hansen, dieselbe Richtung sich wiederholte. Es ist bezeichnend, daß selbst die gewöhnliche
Nomenclatur die ohnehin seltene Bezeichnung Burg und die alltägliche Feste aufgab; von
1450 ab ist fast ausnahmslos nur von Schloß und Erschloß die Rede. Die Ebene, der
Thalboden wurde der Anlageplatz. Hier konnte sich die neue Form noch am besten entwickeln.
Man darf indeß nicht annehmen, daß dieselbe im Lande Ursprung und Wiege hatte, sie
kam von auswärts, wo im Bauwesen durch mehr Mittel und mehr Neigung zum Luxus
entsprechend fleißiger gebaut wurde, vermuthlich in erster Reihe aus Frankreich. Man war
dabei gezwungen, von dem Berchfriede ganz abzusehen und die Vertheidiguug außen in die
Umfangsanstalten, wie Gräben, Mauern und Thürme, in das Gebäude selbst, seine Eckthürme,
Erker und Zinnen zu verlegen. Das alte Wahrzeichen einer Burg, wie man sie
immer sich gedacht, der Wartthurm, welcher durch vier Jahrhunderte von eminenter