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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Steiermark

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welche sie behandeln, der Bibel oder der Heiligenlegende entnommen nnd daß als Verfasser 
wohl ausschließlich Männer des geistlichen Standes zu nennen sind. Die Bewahrer aller 
dieser Dichtungen waren aber die Klöster und Abteien, von denen insbesondere die 
erwähnten, heute noch bestehenden vier Stifter, wichtige Handschriften dieser Literatnrwerke 
erhalten haben. 
Ein Stoff, welcher diesen Poeten des Mittelalters besonders anziehend erschien, 
war das Leben der heiligen Jungfrau Maria; die mit dem Glanze besonderer Heiligkeit 
umgebene Gestalt der Gottesmutter regte poetisch begabte Talente an, sie zum Mittel 
punkt ihrer Darstellung zu wühlen, welche nicht selten große Zartheit aufweist nnd reich 
an feinsinnigen Zügen ist, die der Dichter in seine Bearbeitung gelegt hat. Ein solches 
Marienleben schrieb etwa in der zweiten Hälfte des XIll. Jahrhunderts Bruder Philipp, 
ein Karthäuser, in dem Kloster Seiz in Untersteiermark. Das Gedicht zeichnet sich durch 
gewandte Versification, durch Lebhaftigkeit und Anschaulichkeit in den Schilderungen und 
Beschreibungen aus und zählt zu den beliebtesten zeitgenössischen poetischen Werken, 
wovon die zahlreich vorkommenden Handschriften und sogar Übertragungen in verschiedene 
deutsche Dialecte das beste Zeugniß ablegen. Das Gedicht wurde vom Verfasser den 
Brüdern vom deutschen Hause, „die Maria ehren und den Christenglauben ansbreiten", 
gewidmet. Allerdings war die Grundlage des Werkes ein älteres Poem in lateinischer 
Sprache. Die Autorschaft des steirischen Dichters wird durch diesen selbst in einigen 
Versen des Gedichtes ausgesprochen. — Dadurch, daß sich der Verfasser in seinem 
Werke selbst genannt und sogar seinen Geburtsort darin angeführt hat, kennen wir auch 
einen andern steirischen Dichter aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts. Es ist 
dies Gundacher von Jndenburg, welcher ein umfangreiches Gedicht, „Christi Hort", 
verfaßte. Dasselbe behandelt das Leben, die Lehre, den Tod und die Auferstehung des 
Heilands, es beginnt eigentlich schon mit der Erschaffung Adams und Evas, in der 
bekannten Weise auf die Erscheinung des Erlösers hinüberlenkend. Die Sprache ist schlicht 
und ungeziert, die Zeichnung der Personen trotzdem klar und kräftig. Über die Persönlichkeit 
des Autors ist weiter nichts bekannt geworden, jedenfalls dürfte auch er ein Kloster 
geistlicher, vielleicht in Judenburg, gewesen sein. Das ganze über 7.000 Verszeilen 
umfassende Werk ist bisher noch nicht vollständig publicirt worden. 
Es erscheint nicht unwahrscheinlich, daß auch unser, neben dem Nibelungenliede 
berühmtestes altes deutsches Epos, die Gudrun, welche etwa in der ersten Hälfte des 
XIII. Jahrhundertes entstand und eine Verbindung der nordischen Heldensage mit balladen 
artigen Liedern zeigt, die sich bis Oberdeutschland verbreiteten, von einem Dichter in 
Steiermark verfaßt wurde; die Bearbeitung des Gedichtes in der großen Ambraser 
Sammelhandschrift wenigstens läßt dies vielfach vermuthen.
	        
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