MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Steiermark

23 
Bei Aflenz thnt sich ein weiter, freundlicher Thalkessel ans; nur der Blick über 
Schutthalden in die Fölz hinein zeigt die dräuenden Kalkwände, die entweder silberhell 
in der Sonne leuchten oder finsterblan unter Nebeldecken und niederfahrenden Wettern 
starren. Ein Gang den glatten Sandweg entlang in die Fölz bietet mannigfaltige Genüsse. 
Im kristallklaren Fölzbach gleiten die Forellen, am Ufer wuchern die Legföhren, blühen 
die Alpenrosen, duftet der Speik, in den Nebenschluchten röhren die Hirsche, über den 
bcthauten Baumwipfeln leuchten die Wände des Fölzstein und der Mitteralpe. Der 
interessanteste Punkt ist die Fölzklamm, wo durch eine Felsenge der Weg sich über den 
mildbransenden Bach brückt. Auch der Fölzgraben verliert sich in den Schluchten und 
Rnnsen des Schwabgebirges. Die riesigen Steinklötze, die das Wasser zur Tiefe wälzt, 
geben Zeugniß, daß es da oben nicht immer glatt hergeht. Wenn draußen um Aflenz und 
Turnan auf sonnigen Matten die Primeln blühen und die Finken schlagen, donnern im 
Hochgebirge die Lawinen, Felsen brechend, Baum und Thier unter sich begrabend. 
Das Thal führt uns nach dem Alpendörfchen Seewiesen, biegt dort links ein gegen 
das grausig wilde Gewände der Dullwitz — das ist die eherne Brust des Hochschwab, 
aus welcher das „Goldene Bründel" quillt, das Höchstgebote Wasser der Mürz. 
Freundlicher sind die Gefilde, die wir von Kapfenberg aus im Thale der Mürz nun 
durchwandern. Bald grüßt uns südlich von einem Vorberge des Rennfeldes herab die 
Wallfahrtskirche Maria-Rehkogel. Vor Zeiten haben dort oben im Urwald Rehe ein 
Muttergottesbild gefunden, ein Hirte kam dazu und sah es, wie die Thiere vor dem 
Bildniß auf den Knien lagen. Aus Anlaß dieses durch die kindlich rührende Sage über 
lieferten Wunders ist die schöne Wallfahrtskirche entstanden, in welcher das von den 
Rehen gefundene Bild alljährlich von zahlreichen Wallfahrern verehrt wird. 
Das Thal dehnt sich nun zu seiner größten Breite aus, die Kirchthürme von Marein, 
St. Lorenzen, Mürzhofen, Allerheiligen und Kindberg stehen in Nahe und Ferne, und 
wenn Du am Sonntagsmorgen aus dem Schirnitzbühel stehst, über den die Reichsstraße 
zieht, und hinausschaust in den weiten, von waldigen Bergen umgrenzten Garten und es 
weht die Luft ans Osten, so magst Du das Klingen vieler Glocken hören, die den Schöpfer- 
Preisen, daß er den Menschen hier eine so schöne Heimat gegeben hat. 
Hinter dem Dorfe Allerheiligen dürfen wir ein Seitenthal nicht übersehen, das 
südlich abbiegt. Die Straße entlang demselben führt durch den Ort Stanz, bergwärts über 
den Tenfelsstein, in das Gebirgsdorf Fischbach und weiterhin in das Gelände der Feistritz. 
Dieser Gebirgsstvck heißt die Fischbacheralpe, er zweigt nach mehreren «eiten meilen 
weit aus, indem sich seine Höhen hier an die Teichalpe, dort an den Stnhleckerzng schließen, 
hat aber weder Felsen noch Almen, sondern ist mit Nadelholz bewaldet von seinen tiefsten 
Grüben bis zu den Höhen. Die Waldungen sind unterbrochen durch Holzschläge^ weißer
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.