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Full text: Europäische Buntpapiere

Die Ausstellung »Europäische Buntpapiere, Barock bis Jugendstil« vereint erst 
mals eine staatliche Sammlung mit einer privaten, nämlich die Buntpapier- 
Sammlung der Bibliothek und Kunstblättersammlung des Österreichischen Mu 
seums für angewandte Kunst in Wien mit der Göttweiger Stiftssammlung im Gra 
phischen Kabinett. Beide Sammlungen zusammen werden dem umfassenden An 
spruch des Ausstellungstitels gerecht, jedoch finden sich in den Beständen leider 
nur wenige italienische und französische Buntpapiere. Moderne Buntpapiere 
sind in den letzten Jahren wieder aktuell geworden, sie werden aber nur punktuell 
angedeutet, da sie sonst den mehr historischen Rahmen sprengen würden. Sie 
müßten einer eigenen Papierausstellung Vorbehalten bleiben. 
Die geographische Einschränkung auf das europäische Herstellungsgebiet läßt 
japanische, türkische und moderne amerikanische Zeugen außer acht, wobei ge 
rade bei den ersten beiden Herkunftsquellen uralte Papierherstellertradition 
vorhanden war, längst bevor Europa sich dieser Materie angenommen hat. Die 
Geschichte der Buntpapierherstellung verweist in ihren Ursprüngen nach Japan 
in die Heian-Periode (794—1184), wo Buntpapier bereits zum alltäglichen Ge 
brauch gehörte. Bevorzugte Verwendung fand vor allem Marmorpapier, und 
zwar als exquisite Schreibunterlage für Gedichte. Bis ins ausgehende 16. Jahr 
hundert war die Herstellung desselben oft nur angesehenen Familien als Privileg 
Vorbehalten und erlebte in der Edo-Periode (1600—1868) einen ungeahnten 
Aufschwung, der mit dem in Europa Hand in Hand ging. Nach der Schlacht am 
Thalas im Jahre 751 kam die Herstellungstechnik über chinesische Kriegsgefan 
gene durch Araber in den vorderen Orient, wo sich besonders in der Türkei das 
sogenannte Silhouettenpapier großer Beliebtheit erfreute, insbesondere als 
Randdekor wichtiger religiöser Texte wie im Koran und in der Nationalliteratur. 
Gerade die jüngste Ausstellung »Das Buch im Orient«, Bayerische Staatsbiblio 
thek zu München 1983, hatte hier schönste Seiten und instruktive Anwendungs 
gebiete in der Buchkunst zu zeigen. In muslimischen Koran-Büchern des 
16. Jahrhundertbeginns lassen sich schon zweifarbige Silhouettenpapiere von 
höchster Qualität belegen; die Übergänge sind mit Goldornament verziert, und 
bereits ganze Blätter haben Gold- und Goldstaubdekor. Im europäischen Be 
reich finden wir ebenfalls bereits im 16. Jahrhundert Silhouettenpapiere als 
Schreibfläche für Freundschafts- oder Stammbücher wie auch in Reisetagebü 
chern vor. Hier heißt es Wolkenpapier und trägt geradezu die Übersetzung des 
persischen Wortes Ebr für Wolke. Schon der englische Orient-Reisende Sir 
Thomas Herbert erwähnt dies in seinen »Travels in Persia« 1627 ausführlich. Ein 
weiterer Anwendungsbereich des Türkisch-Papiers sind dann europäische Spiel 
karten, die schon ab 1430 auf der Rückseite mit zinnoberrotem Papier belegt sind 
oder einfärbig gestrichene Papiere aufweisen. Aus dem St. Kathrein-Kloster zu 
Nürnberg hat sich ein Rezeptbüchlein, um 1470, erhalten (Stadtbibliothek Nürn 
berg: Cent. VI. 89), das auf fol. 16 v — 18 r das älteste Herstellungsrezept für Bunt 
papiere tradiert. Für den Spielkartenbereich gaben die Exponate wichtiger Spiel- 
karten-Ausstellungen beredtes Zeugnis: 1972 in München, Bayerisches Natio 
nalmuseum »Gesellschaftsspiele aus einem Jahrtausend« (G. Himmelheber) und 
1974 in Wien, 242. Ausstellung der Albertina »Spielkarten und deren Kunst und 
Geschichte in Mitteleuropa«. Im 17. Jahrhundert liefert Athanas Kircher bereits 
eine gedruckte Herstellungsanleitung »Chartae Turcico more pingendae ratio« in 
seiner »Ars magna lucis et umbrae«, Amsterdam 1671 (Stiftsbibliothek Göttweig 
Sign. VI E a 23) im Lib. X, Pars II, Cap. IV, Parastasis V, S. 714-716 (1. Aus 
gabe: Roma 1646). Verwendung fanden die Buntpapiere zudem beim Ausschla 
gen von Kästen und Truhen nach Art des heutigen Schrankpapiers, als Vorsatz 
oder Kapitalblatt im Einbanddeckel des Buches, beim Buchaußenumschlag und 
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