MAK

Full text: Ausstellung Österreichischer Hausindustrie und Volkskunst

den Ausnäharbeiten entlehnten, rein geometrischen 
Motive, welche als Formensprache wandernder Volks 
stämme anzusehen sind. Vegetabile und tierische 
Formelemente, welche gewöhnlich erst in der Zeit 
der angesiedelten Wirtschaft aufzutreten pflegen, 
kommen hier nur äußerst selten vor. Desgleichen 
sind in den ruthenischen Erzeugnissen kaum be 
merkbare Spuren einer historischen Kunst an 
zutreffen, während der augenfällige Einfluß der 
orientalischen Kunstweise, insbesondere in den 
textilen Arbeiten und in den Stickereien zur Geltung 
kommt. 
Die polnische Volkskunst hingegen ist nicht so 
konservativ. Sie trägt den Stempel älterer Kulturen 
eines längst angesiedelten Volkes. Das beweisen zahl 
reiche Motive pflanzlicher und tierischer Formen, 
welche die Volkskunst erst in der Periode des Acker 
baues aufnimmt. Letztere Formen überwiegen sogar 
jene textil-geometrischen Muster, von welchen gesagt 
wurde, daß sie der Zeit des uralten Steppenlebens 
entstammen. 
Im Gegensätze zur ruthenischen Kunst ist an den 
polnischen Produkten der Einfluß fremder, allenfalls 
stark veränderter und vergröberter Stile, so des 
Romanismus, der Gotik, der Renaissance und der 
Barocke nachzuweisen, während die Kunst der 
Orientalen hier nicht nachklingt. Und schließlich 
noch ein sehr wesentlicher Unterschied zwischen 
ruthenischer und polnischer Volkskunst. Erstere ist 
nämlich weitaus farbenreicher, denn alles, was nur 
irgendwie der Vorliebe der Ruthenen zur Farbe 
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