Am deutlichsten ist ein solches Schwinden der
Volkskunst an den volkstümlichen, geschriebenen
und mit Malereien oder Zeichnungen geschmückten
Büchern zu sehen. Die böhmische Miniaturmalerei
entwickelte sich unter italienischen und französischen
Einflüssen in der Zeit vom XIV. bis in das XVI. Jahrhundert
in selbständiger und vollkommener Weise.
Mit dem Verfalle dieser Kunst beginnt dann im Laufe
des XVIII. Jahrhunderts die Vorliebe des Volkes
für den Buchschmuck. Es finden sich sehr schöne auf
ältere Vorlagen und Einflüsse zurückführende Exemplare
von geschriebenen Gebetbüchern, Liedersammlungen
vor. Doch blieb es nicht bei der manchmal
auch kunstlosen Nachahmung von alten Mustern.
Die Zeichnungen und Malereien dieser Volksbücher
weisen auch selbständige, derjenigen der alten Stickereien
nicht unähnliche Ornamente auf, und verstehen
es, schön entwickelte Pflanzenmotive, sowie die kunstvollen
Schnörkel der alten Urkundenschrift mit Geschick
der Miniaturtechnik anzupassen. Sobald jedoch
einige Buchdruckereien das Volk mit ihren Erzeugnissen
in höherem Maße zu versorgen beginnen,
fängt auch die Schreibkunst und Miniaturmalerei an
zu schwinden und der neuen Literatur Platz zu
machen, so daß es jetzt nur noch die Verleger selbst
sind, die dem Volke kunstlose Volksbücher, abgeschmackte
Kalenderliteratur und eine unglaublich
hohe Anzahl von Kriminalromanen als geistige Kost
mit Erfolg anbieten.
Mehr als andere Gewerbszweige — die Textilindustrie
und Stickerei ausgenommen — hat die Be-69