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Object: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 3)

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allern gewisse stilistische Analogien (wie das für jenen so bezeichnende 
schmaläugige Blicken aus halbgeschlossenen Augenlidern, das Ineinander- 
Rechten der langherabfallenden Locken und so weiter), auf die hier aus Raum- 
mangel nicht näher eingegangen werden kann. Dementsprechend hoch steht 
auch die künstlerische Qualität dieser Reliefs; man sieht deutlich, wie der 
Bildschnitzer danach trachtete, durch Vermeiden der isokephalen Anordnung, 
durch lebhafte Bewegungsmotive (vergl. den mit dem Rücken gegen den 
Beschauer in einem gotischen Faltstuhl sitzenden Apostel oder den Bein 
über Bein schlagenden Kirchenvater) und interessierten Ausdruck in den 
Köpfen Leben und Abwechslung in die durch den Stoff gegebene Ein- 
 
Abb. g. Flügelaltar. Meister S. W. 
förmigkeit der Kompositionen zu bringen. Besonders unter den Frauenköpfen 
sind einige (die Singenden mit den geöffneten Mündern!) von entzückender 
Momentaneität und Frische des Ausdruckes. 
Während zwei dieser Szenen in kirchlichen Innenräumen gedacht sind, 
erscheint im Hintergrund der beiden andern die freie Landschaft mit Hügeln, 
Bäumen und Burgen. Dieses hier nur erst angedeutete landschaftliche 
Moment erfährt seine vollste Ausbildung bei einem Meister, der mit neun 
Reliefs und einem Flügelaltar in der Linzer Sammlung vertreten und mit dem 
Meister S. W. des St. Florianer Flügelaltars vom Jahre 1499 identisch ist. 
Es handelt sich hier um eine Reihe vorzüglicher, stilistisch eng zusam- 
mengehöriger Arbeiten, die sich sämtlich durch eine besondere Lebhaftig- 
keit und Anschaulichkeit der Erzählung, reiche malerische Behandlung der 
Hintergründe und gewisse dekorative Qualitäten auszeichnen. Da die Mehr-
	        

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