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Full text: Geschichte und Terminologie der alten Spitzen

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aussehenden Zacken um solch’ einen strengen Kopf eines Mocenigo 
und Contarini abgeben; wer sieb der Frauenköpfe des älteren 
Palma oder Tizian’s erinnert, und etwa beute noch in den Strassen 
der Lagunenstadt zu den prachtvollen Köpfen, welche bisweilen 
aus dem Menschengewühle auftauchen, den zierlichen Kranz der 
fein durchbrochenen merletti mit ihrem blendenden Weiss hinzu 
denkt zu diesem Teint und Gelocke, der begreift auch das mit- 
getheilte Sonett des guten Vinciolo, dem es wohl an poetischer 
Auffassung aber an keinem hochpoetischen Gegenstand, gefehlt 
zu haben scheint. 
Ich gehe rasch vorüber an dem punto a gropo, gropari, 
den die Franzosen point noue, eigentlich also verknotete Spitze, 
nennen. Es ist eine derbe, unregelmässige und zu keiner rechten 
künstlerischen Schönheit qualificirbare Gattung, (einigermassen der 
genuesischen Sorte verwandt, welche den Kamen Macrame führt). 
Daneben sei allen Freunden des Faches die wunderbare 
venezianische Reliefspitze hoch und tlieuer empfohlen, die man 
unter allen dort entstandenen Abarten als diejenige bezeichnen 
muss, welcher die Kunst der Epoche ihren Stempel aufs mar 
kanteste aufgedrückt hat, den Stempel der freien Renaissance- 
Decoration. Ihre Herstellungsweise erfordert unendliche Mühe und 
Sorgfalt und zwar einerseits infolge des ganz frei verlaufenden, 
an gar kein constructives Gerüste sich haltenden Dessins und 
ausserdem wegen der erhaben gestalteten Ränder aller Blumen- 
bestandtheile, Blätter, Blitthen und Stengel, welche hier in schein 
barem Chaos, aber doch eigentlich in malerischster Vermischung 
das Ornament ausmachen. Bezeichnend heisst dieses Genre auch 
punto a fogliami. Tausende von winzigen Lücken und a jour 
gearbeiteten Stellen bedecken die Innenflächen des Blumenwelkes, 
dessen Rand sich kräftig, oft in mehreren Abstufungen erhebt, 
um am äussersten Umfange mit jenen ganz kleinen, strahlen 
artigen Ansätzen besetzt zu sein, welche picots oder Dorne (punti 
a spina) genannt werden. Nicht selten aber erscheint zwischen 
die Ornamente noch ein polygoner reseau-Grund (Klarwerk) ge 
spannt, bei welchem die zahllosen einzelnen Stäbchen des Netzes 
mit unendlich kleinen und feinen picots besetzt sind und das 
Relief der Blumen weniger derb hervortritt: das ist der berühmte
	        
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