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so verschiedenen Nationen, im grossen Ganzen auch Styl und
Geschmack der Zeichnung gewaltige Extreme ausmachen. Die
niederländische Spitze, sei es Hechler oder Brüssler oder Binche,
hat stets etwas von dem Beiz einer geistvollen Radirung; ihre
Zeichnung ist nur angedeutet, Skizze, naturalistisch, ein hübsches
Impromptu, niemals eine so klar bestimmte ausgedrückte Erschei
nung wie die italienischen rnerli mit dem festen constructiven
Geripp des Dessins, dessen Schönheit im strengen Ebenmass
beruht, während dort das frisch hingeworfene des Gedankens
fesselt; dort waltet ein Geist von Bramar.tinischer Klarheit und
Schärfe, hier haust der Rembrandt der Sticknadel in scheinbaren
Wirrnissen, die immer nur das Ganze, nie das Einzelne hervor
treten lassen wollen.
Wenn wir hören, dass der prachtliebende Carl, beigenannt
der Kühne, mit kostbaren Spitzen in die unglückselige Schlacht
von Grandson 1476 zog, so ist anzunehmen, dass sie ihm die
nördlichen Provinzen seines industriereichen Landes geliefert haben,
dieselben, deren hochkünstlerische Hände seinem Vorgänger, Philipp,
ia die herrlichsten Stickereien schufen, welche die Kunstgeschichte
kennt. Bei fortwährender Pflege der Klosterschulen durch die
Landesfürsten, darunter Carl V., und die Stadtobrigkeiten konnte es
nicht anders kommen als, dass bei der starken Schwankung, die
mit der Wende des 15. und 16. Jahrhunderts die gesammte Kunst
aus dem kirchlichen zum weltlichen hinüber nahm, auch hierzu
lande allmälig neben den Bedürfnissen des Altars jene des Toilette-
Tisches nach der Spitze verlangten, und dass alsbald heilige
wie unheilige Hände solchem Bedürfnisse abzuhelfen bestiebt sein
mussten. Italiens Beispiel wirkte entschieden günstig auf das
Gedeihen unserer Industrie in den auf dem Wege des Handels
freundlich verbündeten flämischen Städten, dazu trug nicht minder
auch deren weltlich frohes Treiben und Schaffen bei, wodurch
Putz, Schmuck und Mode nicht geringe Förderung gefunden
hatten. Auffallend ähnlich wie in der Kunst der Malerei sonderte
sich auch auf unserem Felde bald Stadt von Stadt, Landschaft
von Landschaft, und gestalteten sich schulenartige Gruppen, deren
Locale in den starkbevölkerten Provinzen oft nur wenig Stunden
von einander abliegen, aber dennoch einen grundverschiedenen