Runde Perlen aus Kristallglas erhalten durch den rosa Faden eine gewisse Farbwirkung:
„Glasstengel, gesprengte, geschliffene, nicht polirte und polirte Perlen ä
5 Faget:(ten)“.
Gesprengt wurde an der „Sprengscheibe“ („Sprengrad“, „Schneidescheibe“). Nach
Parkert wurde ein „Holzgestell mit Schwungrad und lotrecht stehendem Sprengrad
aus Stein“ (Parkert 1925, S. 143) verwendet; nach Benda ging die Erzeugung der
Sprengperlen in der Weise vor sich,
„dass hohle Glasstängel mittels einer rotierenden messerscharfen Steinscheibe in kleine Stücke
gesprengt werden. Diese gewonnene Perle kommt nun entweder in diesem rohen Zustande in
den Handel, oder sie wird durch Schmelzen und Schleifen in bessere Gattungen umgewandelt
und führt dann die Namen Schmelz, Doppelschmelz, 2malige, 3malige, 5malige facettierte
gesprengte Perlen“ (Benda 1877, S. 284).
Lilie beschreibt den Vorgang folgendermaßen:
„Die Sprengperlen werden durch das Absprengen kleiner Stücke von hohlen, meist ganz schwachen
Glasstängelchen auf scharfen lothrecht rotierenden Steinscheiben erzeugt ...“(Lilie 1895,
S. 166).
Das Privilegiumsansuchen von Strauss von 1889 enthält ebenfalls eine Beschreibung
dieses Verfahrens:
„Das bisher übliche Verfahren zur Herstellung von Glasperlen besteht im sogenannten Sprengen
von Glasröhren, d. h. im Anhalten der Glasröhren an einen mäßig schnell rotirenden, scharfkantig
abgedrehten Sandstein, die sogenannte Sprengscheibe“ (Privilegium 39/1892).
„Die Sprenger von einst“, berichtet Winter 1900, „saßen bei ihrer in wagrechter Achse laufenden
Sprengscheibe, die sie durch Drehen mit dem Fuße in Bewegung setzten und sprengten durch
Abteilung Perle um Perle von dem dünnen Glashohlstab ab. In einem der Grenzorte des Sprachgebietes
traf ich noch so ein Ueberbleibsel früherer Zeit, einen alten Sprenger, der sich von der
rastlos fortschreitenden Zeit hatte überflügeln, anstatt mitreißen lassen. Im besten Falle kann er
im Tag ein Kilo Perlen sprengen ... 4000 bringt er im Tag bei 14stündiger Arbeitszeit
fertig. Den wenigen anderen Handsprengern, die derselbe Lieferant beschäftigt, zahlt er nur
sieben Kreuzer für das Tausend ...“(Winter 1900, S. 91).
Nach Tayenthal bildete die Sprengperle seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts
einen der Hauptartikel der ganzen Perlenindustrie; der von diesem Autor-und auch in
anderen Quellen - verwendete Ausdruck „Coupeperle“ ist wohl dem Französischen
entnommen und entspricht der in Handarbeits-Zeitschriften der Zeit üblichen
„böhmischen Perle“; auch ihre Verwendung für Grabkränze, Ampeln und
Glockenzüge unterstützt diese Annahme (Tayenthal 1900, S. 20). Die Gleichsetzung
von „Spreng- oder Coupe-Perlen“ der Firma Simm & Co. in Polaun scheint mir dafür
charakteristisch zu sein (Arnold 1909, S. 89).
Ein historischer Rückblick ergibt, daß das „Sprengen“ der Perlen (vorerst nur runde,
keine eckigen) bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Morchenstern
wohlbekannt war (Benda 1877, S. 284; Posselt 1907, S. 1). Nach dem Tod von Anton
Posinke aus Morchenstern im Jahre 1812 heiratete dessen Witwe noch im selben
Jahr einen gewissen Urban aus Beran bei Zasada, der das Posinkische Geschäft
übernahm und die Sprengperlen-Erzeugung in die Gegend von Labau einführte. Auch
in Neudorf war die Sprengperlen=Erzeugung vertreten (Benda 1877, S. 284). Lilie
nennt Neudorf und Morchenstern als Zentren der Perlsprengerei, daneben auch
Gablonz; zur Zeit Lilies allerdings war diese Technik dort wegen der „herabgedrückten
Preise“ kaum mehr anzutreffen, dagegen im Semiler und Starkenbacher Bezirke und
auch weiterhin im Tschechischen verbreitet (Lilie 1894, S. 166). Lilie meinte damit
wohl das Sprengen am Hand- oder Trempelzeug, da die im Gablonzer Bezirk gegen
Jahrhundertende eingeführten sogenannten „Perlensprengmaschinen“ für eine
umfangreiche Sprengperlenproduktion sorgten (Abb. 82-86, S. 138-141), worauf
192