Ein beachtlicher Mitarbeiterstand von 400 Arbeitern und etwa 1500 Heimarbeitern ist
1907 angeführt (Adreßbuch Keramik 1907, S. 306). Auf Einladung von Bapterosses &
Cie. in Paris verhandelten 1909 die Firmen Risler & Co./Freiburg, Ferd. Schmetz/
Aachen, Fratelli Simonis, Candiolo/Turin, Gebr. Redihammer/Gablonz über eine
Preis-Konvention; es kam zur Gründung eines Syndikats und zur Festlegung von
Erzeugungs-Quoten, wobei Redlhammer an dritter Stelle rangierte (Redlhammer
1952, S. 45).
Auf dem Gebiete des Patent- und Markenschutzes suchte das Unternehmen ebenfalls
seine Rechte zu sichern: von 1889 bis 1908 wurden mehrere Marken für Redlhammer
geschützt. Erst 1908 finden wir jene „Panther Head“-Marke (für „Perlenartige Artikel,
Porzellanknöpfe und Porzellanperlen“), die wir von mehreren Musterkarten kennen
(Abb. 246, 247, 253, 254, 261,272) (Zentralmarkenanzeiger 1908, S. 211). Im selben
Jahr (1908) berichtet eine wichtige zeitgenössische Quelle über die Firma Gebrüder
Redlhammer, Porzellanperlen- und Knopf-Fabrik, Gablonz:
„Eine ganz eigenartige Industrie, die noch vor nicht zu langer Zeit in Österreich überhaupt nicht
vertreten war und auch jetzt nur durch ein einziges großes Unternehmen repräsentiert wird, ist
die Erzeugung von Porzellanperlen und -Knöpfen, diese Artikel sind im Handel allgemein unter
der Bezeichung Orientalische Perlen' und ,Agatknöpfe‘ bekannt; es sind keramische Erzeugnisse,
die bei sehr hoher Temperatur gebrannt werden und zu deren Herstellung nicht nur außerordentliche
Fachkenntnis, sondern auch sehr komplizierte maschinelle Einrichtungen erforderlich
sind.
Die Firma Gebrüder Redlhammer in Gablonz, die diese Industrie zum ersten Male rationell aufgenommen
hat, ist weit älter als ihre jetzige Fabrikation. Sie wurde schon im Jahre 1854 von dem
nachmaligen kais. Rat Eduard Redlhammer und seinem Bruder Albert gegründet und betrieb ursprünglich
eine Webwarenfabrik in Rochlitz bei Reichenberg. Erst später ging sie zur Erzeugung
und zum Export von Glaswaren, Porzellanperlen und -Knöpfen über. Da diese Industrie bekanntlich
von alters her in der Gablonzer Gegend zu Hause ist, so war es naheliegend, daß die Firma,
um den neuen Betrieb entsprechend ausgestalten zu können, nach Gablonz übersiedelte. Hier
wurde im Jahre 1896 eine eigene Fabrik errichtet, die dann im Laufe derzeit mehrfach erweitert
werden mußte. Es war den Firmainhabern gelungen, die ungewöhnlichen technischen Schwierigkeiten,
denen die Herstellung eines brauchbaren Fabrikates begegnete, zu überwinden.
Durch die fortschreitende Verbesserung der maschinellen Hilfsmittel konnte die Qualität des Erzeugnisses
immer mehr vervollkommnet werden; zugleich wurden neue Geschäftsverbindungen
angeknüpft, Reisen nach dem Auslande unternommen und Vertretungen auf allen bedeutenden
Exportplätzen des Kontinentes errichtet.
Die Inhaber hielten sich stets die Aufgabe vor Augen, das Gesamtgebiet der heimischen Industrie
nicht nur durch einen neuen, erst in der Entwicklung begriffenen Fabrikationszweig zu erweitern,
sondern diesen auch zur höchsten Vollkommenheit auszubilden. Dieses Ziel haben sie
auch erreicht, denn die von ihnen hergestellten Porzellanperlen und -Knöpfe werden heute nach
dem gesamten Auslande exportiert und behaupten ungeachtet der sehr lebhaften fremden Konkurrenz
ihre Bedeutung für den Weltmarkt in steigendem Maße... Im Jahre 1905 wurde in
Gablonz ein bedeutender Grundkomplex angekauft und auf diesem eine neue große Fabrik erbaut
...so hat im Jahre 1908 allein eine bedeutende Vergrößerung der Fabrik stattgefunden....
Die Einrichtung des Etablissements umfaßt eine große Anzahl eigens konstruierter Spezialmaschinen
und Vorrichtungen, die zum Teil sonst nirgends im Inlande verwendet werden und in
einer eigenen, zur Fabrik gehörigen Maschinenwerkstätte erzeugt werden. Eine Dampfmaschine
von 150 HP. mit moderner Präzisionssteuerung besorgt den mechanischen Antrieb der Arbeitsmaschinen.
Außerdem ist eine Beleuchtungs- und Kraftanlage für den Betrieb diverser Motoren
und der Maschinenwerkstätte vorhanden ..." (Mahla 1908, S. 381).
Die Musterkarten der Gebr. Redlhammer im Technischen Museum (ergänzt durch
einige Karten aus dem Gablonzer Archiv und Museum e.V., Kaufbeuren-Neugablonz)
bilden die vollständigste Kollektion ihrer Art, wenn auch offensichtlich aus Beispielen
verschiedener Serien bestehend. Allen ist jedoch die Technik der gepreßten Perle
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