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Full text : Perlen aus Gablonz

durch  die  Mode  begünstigtes  Aufleben  in  dieser  Richtung  der  Gablonzer  Industrie  zu  verzeichnen ­
  war.
Im  Jahre  1890  war  es  das  Aluminium,  das  sich  allgemein  Eingang  verschaffte.  Hauptsächlich
waren  es  die  sogenannten  gepunzten  Sachen,  welche  in  den  vorhergehenden  Jahren  in  versilberter ­
  Ware  geliefert  wurden,  die  nun  in  Aluminium  ziemlich  vollkommen  und  effectvoll  hergestellt ­
  wurden;  auch  Nippes  und  Ketten,  aus  diesem  Material  hergestellt,  erfreuten  sich  regen  Absatzes. ­
  Auch  das  Celluloid  hat  seit  nahezu  zwanzig  Jahren  in  der  Gablonzer  Industrie  eine  große
Rolle  gespielt.  Abwechselnd  hat  man  daraus  Schmucksachen  als:  Broschen,  Kämme,  Haarpfeile, ­
  Nippes  und  ganz  besonders  jene  bekannten  kleinen  Röschen  erzeugt,  welche  so  vielfach
(theils  als  Abzeichen,  theils  als  nichtssagender  Modeartikel)  im  Knopfloch  getragen  wurden.  In
letzterer  Zeit  haben  diese  Röschen  sogar  einen  nicht  unbedeutenden  Ausfuhrartikel  nach  Indien
gebildet.
Gegenwärtig  werden  aus  Celluloid  Cylinder  und  Kugeln  von  brennendrother  Farbe  erzeugt,  welche ­
  ebenfalls  einen  bedeutenden  Exportartikel  bilden.
Ferner  giengen  in  diesem  Zeitabschnitte  nach  Indien  Gürtelschnallen,  sowohl  wie  ganze  Metallgürtel. ­

Als  bester  und  lebensfähigster  und  zugleich  concurrenzfähigster  Artikel  hat  sich  jedoch  in  Gablonz ­
  der  Simili=,  wie  überhaupt  der  Steineschmuck  erwiesen.  Die  hiefür  erzielten  Preise  sind  er
Qualität  der  Ware  angemessen,  das  heißt  es  sind  keine  Phantasiepreise.  Doch  wurden  auch  hier
bei  dem  kolossalen  Bedarfe,  der  vor  einigen  Jahren  in  Krystallsteinschnallen  herrschte,  die
Preise  auf  Kosten  der  Qualität  soweit  herabgedrückt,  dass  heute  diese  billige  Art  von  Hutschnallen ­
  nur  noch  von  den  untergeordnetsten  Arbeitern  ausgeführt  wird.
Außer  allen  hier  angeführten  Artikeln  hat  sich  die  Gablonzer  Industrie  auch  in  Metallwaren  versucht, ­
  welche  einer  ausgesprochenen  Stilrichtung  angehören  z.  B.  in  schwedischem  Volksschmuck ­
  (Filigranschmuck  mit  dem  charakteristischen  Schüsselbehang)  sowie  in  arabischen
Altsilberartikeln,  mit  mehr  oder  weniger  gutem  Erfolge.
Bemerkenswert  ist  übrigens  auch  die  mit  dem  Fortschritte  der  Industrie  eingetretene  Arbeitstheilung,
  die  sich  in  der  Weise  vollzog,  dass  sich  die  von  der  eigentlichen  Gürtlerei  die  Estamperie
(Presserei)  und  die  Chaton=  (Kessel=)  Erzeugung  absonderte;  ob  zum  Vortheile  der  Industrie,
lässt  sich  heute  noch  nicht  ermessen.
Im  allgemeinen  sind  die  Fortschritte  und  Verbesserungen,  die  die  Gablonzer  SchmuckWVaren  im
Laufe  der  Jahre  durchgemacht  haben,  außerordentlich  und  stehen  die  heutigen  Erzeugnisse  der
besseren  Gablonzer  Gürtlerwaren=lndustrie  in  Bezug  auf  Form  und  Ausführung  den  Pariser
Waren  gleichen  Genres  kaum  mehr  nach,  während  sie  dieselben  im  Preise  fast  durchgängig
schlagen.
Es  ist  aus  diesem  Grunde  auch  selbst  Frankreich,  welches  in  Bijouterie  doch  stets  und  überall
als  Vorbild  gekannt  wird,  ganz  bedeutender  Consument  von  Gablonzer  Bijouterien,  und  trotz  des
enorm  hohen  Zolles,  den  Frankreich  zum  Schutze  seiner  eigenen  Industrie  für  diesen  Artikel  einhebt ­
  (200  Frs  per  100  kg)  werden  Gablonzer  Broschen,  Hutnadeln,  Slipsnadeln,  Armbänder,  Fingerringe ­
  u.  s.  w.  mit  Erfolg  nach  Frankreich  geliefert.
Ebenso  ist  England  ein  bedeutendes  Absatzgebiet  für  alle  diese  Kurzwaren  und  Schmuckartikel
von  jeher  gewesen,  und  auch  Deutschland,  welches  in  dem  letzten  Jahrzehnte  durch  hohe
Schutzzölle  die  Fabrikation  vieler  hiesiger  Artikel  zu  sich  hinüber  gezogen  hat,  ist  noch  immer
durch  die  billigeren  Preise,  zu  denen  viele  Artikel  von  hier  geliefert  werden  können,  ein  Absatzgebiet, ­
  welches  die  Gablonzer  Industrie  nicht  verlieren  darf,  ohne  in  ihren  Grundfesten  erschüttert ­
  zu  werden.  Freilich  ist  neuerdings  wieder  ein  empfindlicher  Schlag  seitens  Deutschland
durch  das  Hausirgesetz  geführt  worden,  welches  unechte  Bijouterien  vom  Hausirhandel  ausschließt, ­
  und  es  sollte  nichts  unversucht  bleiben,  eine  Abänderung  dieses  Gesetzes  wenigstens
soweit  zu  erstreben,  dass  die  ganz  billige  Ware,  die  niemand  für  echt  kaufen  wird,  und  sei  es  nur
bis  zu  jener  Ware,  die  als  10,  20  und  50  Pfennig  Artikel  im  Handel  bekannt  ist,  dem  Vertriebe
durch  Hausirer  freigegeben  wird,  da  das  Publikum,  welches  diese  billigen  Schmucksachen  von
Hausirern  kauft,  nicht  darum  in  den  Laden  geht.
Den  nordamerikanischen  Markt,  der  in  früheren  Jahren  ganz  bedeutend  consumirte,  hat  die  Gablonzer ­
  Bijouterie=Branche  schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  ganz  verloren,  da  die  Industrie  im
eigenen  Lande  den  Bedarf  deckt  -  und  zwar  gehen  dort  fast  ausschließlich  Metallschmuck=Gegenstände,
  zu  deren  Herstellung  wenig  Handarbeit  und  viel  Maschinen  und  Stanzwerkzeuge  ge-404


            
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