Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Perlen aus Gablonz

Außerdem  ist  der  Gablonzer  Hutschmuck=lndustrie,  speciell  in  schwarzem  Hutschmuck  und
schwarzen  Broschen  seit  einigen  Jahren  eine  sehr  empfindliche  Concurrenz  in  Deutschland
(Württemberg,  Stuttgart  und  Umgebung)  entstanden,  wohin  durch  Gablonzer  Arbeiter  diese  Industrie ­
  verpflanzt  und  durch  capitalskräftige  Fabrikanten  aufgenommen  und  weiter  ausgebildet
worden  ist.  -  Zwar  bezieht  diese  Industrie  das  Material  zur  Herstellung  der  Ware,  also  die  Glassteine, ­
  wohl  großentheils  von  hier,  doch  ist  dies  der  kleinste  Theil  des  Wertes  der  Ware,  da  erst
die  manuelle  Herstellung  der  Facons  und  die  Fertigstellung  des  Artikels  den  Nutzen  für  die  Arbeiter, ­
  und  in  dem  so  erhöhten  Handelswerte,  den  Nutzen  für  den  Exporteur  in  sich  birgt.
Die  Steine  selbst  bilden  einen  Handelsartikel,  der  per  100  Dutzend  von  30  kr.  aufsteigend  bis  2,
3  fl.  Wert  hat,  während  die  fertige  Ware  Preise  von  10  fl.  bis  120  fl.  per  Gros  bringt;  von  den  Steinen ­
  kann  ein  einziger  Arbeiter  je  nach  Größe  und  Feinheit  1000-2000  Dutzend  per  Tag  fertig
machen,  während  an  fertigem  Hutschmuck  ein  Arbeiter  nur  einige  Dutzende  selten  ein  Gros  per
Tag  fertig  bringt,  woraus  am  besten  der  Schluss  gezogen  werden  kann,  wieviel  kunstgeübte
Hände  durch  einen  solchen  Ausfall  beschäftigungslos  werden.
An  sonstiger  Concurrenz  ist  hauptsächlich  Paris  nennenswert  und  maßgebend,  welches  auch  in
der  Moderichtung  immer  noch  tonangebend  bleibt,  und  diese  dominirende  Stellung  auch  wohl
behalten  wird.  England  und  Deutschland  fabriciren  in  MetaltHutschmuck,  besonders  Schnallen
ziemlich  viel,  doch  ist  der  englische  Markt  für  die  Gablonzer  Hutschmuck=lndustrie  noch  immer
einer  der  wichtigsten,  ihm  schließt  sich  Deutschland  dann  in  zweiter  Linie  an.  Nach  Spanien,
wohin  in  dem  Artikel  auch  einiges  exportirt  wird,  sind  die  hohen  Zölle  hindernd  für  die  Entwicklung, ­
  da  sie  den  Artikel  in  einer  Weise  vertheuern,  dass  er  zu  keinem  Massenartikel  werden
kann.  Italien,  Holland,  Belgien  und  auch  Rußland  consumiren  verhältnismäßig  nur  wenig  in  diesem ­
  Artikel  und  nach  überseeischen  Ländern  ist  -  außer  Nordamerika  -  nur  ein  unbedeutendes
Geschäft,  hauptsächlich  nach  Südamerika  zu  machen.  -  Jedenfalls  hat  das  Gablonzer  Geschäft
in  dem  Jahre  1896  einen  sehr  großen  Ausfall  in  der  Exportziffer  dieses  Artikels  zu  verzeichnen,
einen  Ausfall,  der  bei  der  allgemeinen  Stagnation  auch  des  andern  Geschäftes  und  der  anderen
Artikel  um  so  schmerzlicher  empfunden  wird,  und  der  viele  selbständige  Existenzen  vernichtet
und  gezwungen  hat,  sich  anderen  Erwerbszweigen  zuzuwenden.
Glas-Bangles,  das  sind  runde  Armreifen  aus  farbigem  Glas,  aus  einem  Stück  gepresst,  dann
theils  nur  facettirt  geschliffen,  theils  vergoldet,  gemalt,  mit  Simili=Diamanten  und  anderen  Verzierungen ­
  decorirt,  haben  schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  für  die  Gablonzer  Industrie  eine  hervorragende ­
  Rolle  gespielt  und  viele  hunderte  Arbeiter  in  den  Schleifereien  vollauf  beschäftigt.  -
Der  Artikel  fand  fast  ausschließlich  seinen  Absatz  nach  Brittisch=lndien  und  nach  Millionen  Dutzend ­
  Paaren  zählen  die  Quantitäten,  die  darin  innerhalb  der  letzten  drei  Jahre  nach  den  Hafenplätzen ­
  Bombay  und  Calcutta  exportirt  wurden.  Wenn  auch  die  früheren  guten  Preise,  die  für  den
Artikel  erzielt  wurden,  successive  durch  den  großen  Bedarf  und  durch  die  große  Concurrenz,  die
in  Folge  der  starken  Nachfrage  unter  den  Exporteuren  des  Gablonzer  Bezirkes  entstand,  abbröckelten, ­
  und  von  3  Shilling  per  Dutzend  Paar,  die  die  einfachen  facettirten  Reifen  im  Jahre
1894  brachten,  in  1895  auf  2  Shilling  6  Pence  und  in  1896  auf  1  Shilling  9  Pence  zurückgiengen,
so  wäre  immerhin  in  diesem  Artikel  bei  den  wirklich  riesigen  Quantitäten  und  der  von  den  Arbeitern ­
  bei  dessen  Herstellung  bereits  gewonnenen  Routine  selbst  bei  diesem  Preise  noch  ein  Geschäft ­
  mit  bescheidenem  Verdienst  für  Arbeiter  und  Exporteur  möglich  gewesen  -  besonders  da
in  anderen  Schliffsachen,  die  die  hiesigen  Schleifereien  sonst  beschäftigten,  wenig  oder  gar
nichts  zu  thun  war  oder  die  Arbeitslöhne  so  niedrige  waren,  dass  die  Schleifer  bei  den  Glasreifen
immer  noch  ein  bedeutend  besseres  Auskommen  fanden.
333  Lichtmanschette  Nr.  1,  1858  („böhmische  Perlen“  in  Kristall,  Quecksilberperlen  oder  weiße
Wachsperlen);  Lichtmanschette  Nr.  2,1858  („böhmische  Perlen“  in  Kristall  und  Schwarz);  Lichtmanschette, ­
  1859  (große  Pfundperlen  in  Kristall,  größere  und  kleinere  Quecksilberperlen);
Leuchtermanschette  (weiße  „böhmische  Perlen“  in  zwei  Größen,  mittelstarke  Kristallperlen,
Schaum-  oder  Kupferperlen).  -  Bazar  1858,  S.  74,  Nr.  1,  2;  1859,  S.  75;  1860,  S.  308
333  Lamp  collar  no.  1,  1858  (“Bohemian  beads”  in  crystal,  quicksilver  beads  or  white  wax
beads);  lamp  collar  no.  2,  1858  (“Bohemian  beads”  in  crystal  and  black);  lamp  collar,  1859  (big
pound  beads  in  crystal,  bigger  and  smaller  quicksilver  beads);  lamp  collar  (white  “Bohemian
beads”  in  two  sizes,  medium  sized  crystal  beads,  foam  or  copper  beads).  -  Bazar  1858,  p.  74,
nos.  1,2;  1859,  p.  75;  1860,  p.  308

406
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.