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kleinen Steinchen werden in eine Thonschüssel geworfen, größere Gegenstände kommen je 
doch in den Kühltopf über der Feuerstelle. 
Die abgearbeitete Stange wird sodann in das Feuer zurückgelegt, dabei zugleich die nächstlie- 
gende im Schmelz befindliche Stange ergriffen und wie vorher verarbeitet, sodaß die Arbeit fast 
ununterbrochen fortgeht. Erhitzt sich dabei die Form der Zange mehr als wünschenswerth, so 
wird dieselbe im Wasser abgekühlt; zu gleichem Zwecke, wie auch, um das Auslösen der Stein 
chen aus der Form zu fördern, wird von Zeit zu Zeit ein Tropfen geschmolzenen Unschlittes in die 
Höhlung der Form gebracht. 
Auf diese Art ist ein geschickter Arbeiter im Stande, 500 bis 800 Dutzend Steinchen in einem 
Tage zu pressen. Allerdings darf man dieselbe Leistung nicht auch bei Knöpfen oder Artikeln, 
welche in Verbindung mit Metalldrähten herzustellen ist, verlangen, weil dabei jedes einzelne 
Glasstück von der Stange abgeschnitten werden muß und die Stange jedesmal in das Feuer zu 
rückgelegt wird. Eine Leistung von 80 bis 100 Dutzend für den Tag ist hier schon bedeutend zu 
nennen. 
Anton Posselt, Ein Beitrag zur Geschichte der Perlenindustrie in Morchenstern 
(Sonderdruck, wohl 1907, Gablonzer Zeitung) 
Sprengperlen. 
In Morchenstern wurden schon vor länger als 100 Jahren gesprengte Glasperlen erzeugt. 
Die Formung des Glases war eckig oder wie man früher sagte, „kantig“ (vier= oder sechskan 
tig). Anfangs war nur das starke Glas geformt; auf das schwache wurden die Kanten geschliffen. 
Die aus vierkantigem Glase erzeugten Perlen hieß man „Würfel“. Würfel wurden aber sonst 
meistens in Druckhütten gedruckt (die sog. vollen Würfel). Die Nummerierung der Perlen ging 
von Nr. 0 aus. Nr. 0 war die Mittelnummer. Die Nummern 1, 2, 3 bis 6 deuteten auf die zuneh 
mende Größe. Die Nummern 2/0, 3/0 bis 18/0 auf die Kleinheit der Perlen hin; genau so, wie es 
heute noch üblich ist. Die von Null aufwärtssteigenden Nummern teilte man auch in Halbnum 
mern: halbereins, halberzwei u. s. f. Die größten Perlen erreichten die Größe einer Haselnuß, die 
kleinsten glichen Hirsekörnern. Die Länge der Perlen richtete sich nach der Stärke. Nr. 2/0 war 
zwei Linien lang und zwei Linien stark (ins „Geviert“). Die aus dem rohen Glase gesprengten Per 
len führten den Namen „rohe Bissei“ oder einfach „ B i s s e I “, die polierten „polierte Bis 
sei“ und die geschliffenen „geschliffene Körnel“. Das Schleifen erfolgte in den Schleif 
mühlen von Morchenstern bis Grüntal. In den Schleifmühlen mit großer Wasserkraft wurden die 
Perlen von Nr. 0 aufwärts, in den übrigen die kleineren von Nr. 2/0 abwärts an erst gesprengt und 
dann zwei= oder dreimalig geschliffen. Das Schleifen geschah in den ersterwähnten Schleifmüh 
len auf Tafeln (horizontal drehende Steintafeln, in einem viereckigen Holzkasten eingesetzt-wie 
solche heute noch in Verwendung sind), in den andern aber meist auf „Gestöcken“. Der 
Stein war in lotrechter Stellung wie bei einem gewöhnlichen Schleifzeuge zum Schärfen der 
Werkzeuge. Die Bewegung des Steines mußte auf den Arbeitenden zu stattfinden. 
Würden die Ecken von den gesprengten Bissein nur einmal, und zwar nicht so ganz regelmäßig 
abgeschliffen, so waren es zweimalige Perlen, erfolgte der einmalige Abschliff dagegen re 
gelmäßig, wurden sie als dreimalige bezeichnet; wurde von diesen noch einmal von den er 
sten Ecken kleinere, schön zugespitzte abgeschliffen, so entstanden fünfmalige und bei 
nochmalige Wiederholung dieses Abschliffes siebenmalige Perlen. 
Die gangbarsten Farben waren: Kristall, Schwarz aus Braunstein (Kohlglas wurde erst später 
erfunden), Topas, Blau, Grün, Violett, Crisolit, Opalweiß, Opalblau, Türkis, Sattblau, Sattgrün 
oder Kachelgrün. Um auf den abgeschliffenen Ecken, überhaupt auf der Perle einen schönen 
Glanz zu erzielen, wurden die Perlen in einem Polierofen poliert. In früheren Jahren, ehe die 
Feuerpolierung erfunden worden war, polierte man die kleineren Perlen gar nicht, die großen auf 
der Holzscheibe. 
Dekoriert wurden die Perlen schon frühzeitig. In den 1840er Jahren dekorierte Anton Bla- 
schek die Perlen mit Gold und Silber; er malte Kreuzchen oder Sterne darauf, brannte sie ein und 
polierte sie mit dem Polierzahne (aus Horn). Dieses Verfahren soll Blaschek von seinem Schwie 
gervater, Lehrer Menzel aus Wiesental, erlernt haben. 
Nach Fertigstellung der Perlen wurden sie an Baumwollfäden zu Schnüren ä 50 Stück gefädelt. 
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