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Full text : Japanischer Farbholzschnitt und Wiener Secession

Portrait  der  Camille  in  Boston  (1876)  von  Claude  Monet  (Fig.  2,  Taf.  137)  in  dem
Gewand,  wie  japanische  Einrichtung  als  äußerliche  Umgebungsphänomene  erscheinen.
Wenn  man  dieses  Bild  neben  einen  Holzschnitt  von  Eisen  in  floralem  Rahmen  nach
einem  Entwurf  von  Hector  Guimard  stellt  (Fig.  3,  Taf.  138),  zeigt  sich  klar  die  Verwandtschaft ­
  der  Interpretation  dieser  beiden  Japonisten,  in  der  Durchführung  der
typischen  Linienkomposition  der  „Art  nouveau“.
Diese  Gegenüberstellung  wird  besonders  überzeugend,  wenn  man  sie  auch  auf  andere
japanische  Holzschneider  der  großen  produktiven  Periode  ausdehnt,  etwa  von  Suzuki
Harunobu  (1725—1770)  bis  Kitagawa  Utamaro  (1753—1806)  (Fig.  4,  Taf.  139  und  Taf.
45).  Die  „rhythmischen  Kurven“  der  Komposition  sind  besondere  Eigenheiten,  die  von
den  Japanern  erfunden  wurden  und  die  als  wichtiges  Element  „exotischer“  Kunst  von
der  Liberty-Bewegung  aufgenommen  worden  sind.  In  diesem  Stil  kann  man  die
größte  und  letzte  Durchdringung  von  Ost  und  West  innerhalb  des  19.  und  20.  Jahrhunderts ­
  finden.  In  der  bedeutenden  Periode  seiner  Beziehungen  mit  Mallarme
nach  der  Veröffentlichung  der  „Nymphee  blanche“  (1885)  und  dem  Erscheinen
des  berühmten  programmatischen  Manifestes  des  Jean  Moreas  (1883)  in  der  Kulturbeilage ­
  des  Figaro  hat  der  spätimpressionistische  Stil  des  Claude  Monet  in  Frankreich
zwischen  1885  und  1890  eine  neue  Auffassung  des  malerischen  Raumes  bestimmt.
Der  quantitative  Rhythmus,  der  auf  die  Länge  der  Töne  aufbaut,  ist  entscheidend
für  die  Verse  Mallarmes  und  ist  auch  ein  poetisches  Element  des  Spätimpressionisten
Claude  Monet  in  seinem  neuen  Konzept  des  malerischen  Raumes;  durch  die  geplante
Publikation  der  Nymphee  blanche,  die  ein  illustriertes  Repertoire  unter  der  Leitung
Monets  und  Renoirs  beinhalten  sollte,  kam  es  zu  einer  Beziehung  zwischen  den  beiden
Künstlern.  Zwischen  dem  vorletzten  und  letzten  Jahrzehnt  des  Jahrhunderts  begann
Monet,  inspiriert  von  Mallarme,  seine  eigene  Konzeption  des  Raumes  zu  entwickeln,
als  er  die  Pläne  für  die  Nymphee  von  Giverny  entwarf.  1890  hatte  der  Maler  ein
Grundstück  erworben,  auf  dem  Seerosen  und  Trauerweiden  wuchsen,  das  vom
Nebenfluß  des  Epte  bewässert  wurde,  über  den  ein  „Passarelle  Japonaise“,  eine
schmale  japanische  Brücke,  gebaut  wurde:  all  dies  kommt  ab  1892  immer  wieder
in  der  Bildserie  von  Giverny  vor.  Wir  dürfen  nicht  vergessen,  daß  in  den  Augen  der
Impressionisten  die  japanischen  Maler  einen  illusionistischen  Raum  entdeckt  haben  —
weit  entfernt  von  allen  perspektivischen  Gesetzen:  das  bildete  automatisch  eine
Beziehung  zur  Musik;  denn  wenn  es  möglich  ist,  eine  Formulierung  des  akustischen
Raumes  zu  finden,  geschieht  das  notwendigerweise  symbolisch  und  bezieht  sich  auf
die  dritte  Dimension.  Von  Anfang  an  enthält  der  Entwurf  von  Monets  Nymphee
die  Umkehrung  des  Problems  des  dreidimensionalen  Raumes,  der  von  Bergson

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