MAK

Full text: Japanischer Farbholzschnitt und Wiener Secession

in den Nympheen auch die typische serienweise Herstellung der japanischen Malerei 
übernimmt. 
Die Polarität der Raumvorstellung Monets über das Thema der Nympheen scheint 
eng verbunden mit den Zitaten und kulturellen Vorträgen über Japan, die in der 
Korrespondenz des Künstlers am Ende des Jahrhunderts ständig auftauchen. Wir 
haben einen Brief, der 1895 in Norwegen geschrieben wurde, in dem die methaphori- 
sche Assoziation des japanischen Ideals mit einer gegebenen Landschaft einen nahezu 
unvergleichlichen Wert gegen alle anderen entsprechenden Ausdrücke in der Poetik 
der Impressionisten hat (ausgenommen van Gogh): „Gestern konnte ich endlich das 
Meer sehen, nicht die breite Ebene, sondern ein Stück Fjord, wo kein Eis zu finden 
war. Es war wunderschön, ich bekam einen außergewöhnlichen Eindruck von den 
kleinen schneebedeckten Inseln in dem ebenen Wasser mit einem Berg auf dem 
Grund. Man konnte sagen, so ist Japan. Ich habe etwas aus Sandwiken gesehen, das 
einem japanischen Dorf sehr ähnlich ist, ich habe auch Aussicht auf ein Gebirge, 
das mich an den Fudschijama denken läßt. . .“(6) 
Dieser Abschnitt des Briefes zeigt, daß Monets kulturelle Vorstellungen vollkommen 
vom landschaftlichen Modell Japans beherrscht waren; soweit diese in ihm künstleri 
sche Ausdrucksmöglichkeiten entstehen ließen. So wird also die norwegische Land 
schaft, die so abweichend von der japanischen ist, von Monet in einer Form allego- 
risiert, die in dem eigenen Ideal begründet ist. Claude Monet konzentriert das 
Exotische der impressionistischen Kultur auf Japan, vor allem in der Verziehung 
der Nympheen. Das Züricher Kunsthaus besitzt ein Werk der ersten Periode dieser 
Serie, (Fig. 10, Taf. 145) das für einen Vergleich mit dem Bild von Ogata Kenzan 
(Fig. 9, Taf. 144) und der Dekoration mit Irisblumen im Schlamm von Watanabe 
Ryökei geeignet ist. Für den Vergleich eignen sich am besten die jeweiligen Aus 
schnitte. Die beiden letzten Bilder drücken keine evidente Reduktion des Raumes 
aus, weil sie von den Künstlern unter dem Einfluß fremder Möglichkeiten der per 
spektivischen Raumdarstellung gemalt worden waren. Das Verschwinden der orienta 
lischen Beziehung im landschaftlichen Raum Monets erscheint am Ende des 19. Jahr 
hunderts in derselben Phase, in der in den Nympheen-Bildern das Problem der dritten 
Dimension auftritt. 
Die österreichische Sezession hat den orientalischen Exotismus anders interpretiert 
als Frankreich, aber nicht weniger tiefgehend, vor allem was Japan betrifft. Das 
bewahrheitet sich von Anfang an in der österreichischen Bewegung. Die Periode fällt 
in den Zeitraum zwischen dem Jahr 1873 (Wiener Weltausstellung) und 1893, in 
welchem die Theorie der Sezession entstand und die „Gruppe 7“ von Josef Hofimann 
17
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.