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Full text: Japanischer Farbholzschnitt und Wiener Secession

in der Totalität der Identifikation mit jenen nebensächlichen Formen gegeben. Bis 
heute ist dieser Zusammenhang der musikalischen Kompositionen der ersten zwei 
Jahrzehnte des Jahrhunderts mit dem Gegenteil des „stillen Einverständnisses mit der 
bestehenden Welt“ nicht kritisch definiert worden. Wir beziehen hier auch die avant 
gardistische sogenannte Zwölftonmusik und die Wiener Schule mit ein. 
Wenn man als Gegenteil des „stillen Einverständnisses mit der bestehenden Welt“ den 
Begriff des „Realismus“ setzt, so wird dieser in den musikalischen Phänomenen noch 
weit unklarer; im allgemeinen werden zu diesen Begriffen die „programmatischen“ 
beschreibenden Formen hinzugerechnet, die durch die spätromantische Tradition in 
die moderne (nur in zeitlichem äußerlichem Sinn) Musik vom Typ des Schostakowitsch, 
vor allem in die russische, eintreten. Auch Richard Strauss darf nur zeitlich zum 
20. Jahrhundert gerechnet werden; und in der Tat wollte es der Komponist selbst 
mit voller Absicht niemals, daß die ihm eigene musikalische Sprache mit „modern“ 
verwechselt würde: zum Schluß ist noch die offen zur Schau getragene völlige Fremdheit 
bekannt, die Strauss am Ende seines Lebens gegenüber den Geschehnissen der 
Nach-Zwölftonmusik zeigte. 
Nach Theodor W. Adorno kann die Gleichzeitigkeit von Mahler und Strauss zu einer 
Auseinandersetzung zwischen beiden führen (52) (und zum Schaden von Strauss und 
zu Mahlers Verherrlichung, nach den Thesen, die der Kritiker beweisen will). 
Aber die Gleichzeitigkeit kann mit Relationen einer reinen Parallelentwicklung zu 
sammenfallen: und aus sich selbst nicht zu einem Vergleichskriterium führen; im Fall 
Mahler-Strauss rührt die Auseinandersetzung eher von einem methodologischen 
Irrtum her (wie es zum Beispiel bei einem Vergleich zwischen Tschaikowski und 
Rimski-Korsakow der Fall wäre). Um die gehaltsästhetische Überlegenheit Mahlers 
über Strauss zu unterstreichen, versichert Adorno an derselben Stelle, daß vom 
letzteren der Begriff der „Dekadenz der Romantik“ stamme. Dieser Begriff, wegen 
seines schematischen Charakters leicht gebildet, leitet sich eher vom Glauben an den 
periodischen Ablauf aller historischen Prozesse ab, die in zyklisch aufeinanderfolgen 
den Phasen des Glanzes und der Dekadenz eingeteilt werden. Da auf jede Periode 
— nach dem alten Schema — eine Dekadenz folgen muß, erhält also auch die Ro 
mantik eine solche Einstufung. In Wirklichkeit sind jene geschichtlichen Geschehnisse 
viel komplizierter, und vielleicht verfällt man hier einem Urteil aus Bequemlichkeit. 
Den Begriff der europäischen Dekadenz, zu dem zweifellos auch ein Teil der Poesie 
von Strauss zählt, kann man nicht einfach mit Worten, wie „Dekadenz der Romantik“, 
schematisieren; in der Tat ist die europäische Dekadenz — ein großartiges sozio 
logisches Phänomen — keine Dekadenz im strengen Sinne (was nach der Definition 
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